Bevölkerungsstruktur nach Migrationsstatus und Altersgruppen

Bevölkerungsstruktur 2016 nach Migrationsstatus und Altersgruppen

Bevölkerungsstruktur nach Migrationsstatus und Altersgruppen

Aus dem Statistischen Jahrbuch 2017

Daten zur Bevölkerungsstruktur nach Migrationsstatus und Altersstruktur nach dem Statistischen Jahrbuch 2017. Im Jahr 2016 betrug die Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland 82,4 Millionen. Davon haben 22,5 Prozent einen Migrationshintergrund. Mit jeder jüngeren Altersgruppe steigt (mit zwei Ausnahmen) der Anteil der Migranten. Bei den Unter-20-Jährigen beträgt der Migrantenanteil mehr als ein Drittel (34,1 Prozent), bei den Unter-5-Jährigen sind es sogar 38,1 Prozent.

Wer wissen will, wie Deutschlands Zukunft aussieht, muss nur einen Blick auf die Tabelle 2.3.1 des Statistischen Jahrbuchs 2017 [1] werfen. Dort ist die Bevölkerungsstruktur im Jahr 2016 nach Migrationsstatus [A1] und Altersgruppen aufgeschlüsselt. Diese Tabelle ist hier als Tabelle 1 wiedergegeben.

Tabelle 1: Bevölkerungsstruktur nach Migrationsstatus und Alter 2016.
Quelle: Statistisches Jahrbuch 2017, Tabelle 2.3.1, S.41.
Häufigkeitswerte in Tausend.
Ges = Gesamt; Deu = Deutsche; Mig = Migranten; %Mig = Prozentualer Anteil Migranten; MoMe = Migranten ohne eigene Migrationserfahung; MmMe = Migranten mit eigener Migrationserfahrung.
Deutsche Ausländer
Alter Ges Deu Mig %Mig MoMe MmMe MoMe MmMe
<5 3642 2254 1388 38,1 19 1025 152 191
5-10 3577 2247 1330 37,2 30 947 259 94
10-15 3728 2458 1270 34,1 42 898 225 105
15-20 4160 2901 1259 30,3 80 718 277 185
20-25 4418 3185 1233 27,9 170 380 508 175
25-35 10615 7630 2985 28,1 859 253 1623 250
35-45 10107 7136 2971 29,4 995 155 1595 226
45-55 13373 10940 2433 18,2 1000 56 1284 92
55-65 11428 9582 1846 16,2 957 19 849 21
65-75 8340 7254 1086 13,0 497 13 560 17
75-85 6894 6269 625 9,1 382 7 230 7
85-95 2016 1872 144 7,1 109 30
>95 126 120 6 4,8
Summe 82.424 63.848 18.576 22,5 5140 4471 7592 1363

Laut Mikrozensus hatte Deutschland im Jahr 2016 82,424 Millionen Einwohner. Davon weisen 22,5 Prozent einen Migrationshintergrund auf. Die Migranten verteilen sich jedoch nicht gleichmäßig über die Altersgruppen. Ganz im Gegenteil: Mit einer zwei Ausnahmen nimmt der Anteil der Migranten mit jeder jüngeren Altersgruppe zu. Bei allen Altersgruppen unter 20 Jahren liegt die Migrantenquote über 30 Prozent, im Durchschnitt sind es 34,1 Prozent. Bei den Unter-5-Jährigen sind es 38,1 Prozent.

Die Abbildungen 1 und 2 bieten eine graphische Veranschaulichung der dramatischen Schieflage.

Abbildung 1 zeigt die Aufschlüsselung nach Migrationsstatus und Altersgruppen. Die Altersgruppen 5-10 und 10-15 sowie 15-20 und 20-25 wurden zusammengefasst, so dass mit Ausnahme der Jüngsten (unter 5 Jahren) und der Ältesten (über 95 Jahre) die Kohorten 10 Jahre umfassen.

Bevölkerungsstruktur 2016 nach Migrationsstatus und Altersgruppen. Statistisches Jahrbuch 2017
Abbildung 1: Bevölkerungsstruktur 2016 nach Migrationsstatus und Altersgruppen


Abbildung 2 zeigt die Migrantenquote, also den prozentualen Anteil der Migranten innerhalb der Altersgruppen.

Bevölkerungsstruktur 2016 nach Migrationsstatus und Altersgruppen, Migrantenquote. Statistisches Jahrbuch 2017
Abbildung 2: Bevölkerungsstruktur 2016: Prozentualer Anteil der Migranten in den Altersgruppen.

Fortsetzung folgt.

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Literatur


(1) Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch. Deutschland und Internationales. 2017.
www.destatis.de/jahrbuch
Quelle: Tabelle 2.3.1 Bevölkerung mit Migrationshintergrund 2016, Ergebnisse des Mikrozensus, Seite 41.

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Anmerkungen

[A1] Migrationshintergrund ist wie folgt definiert: Eine Person hat dann einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren ist. Zu den Personen mit Migrationshintergrund gehören im Einzelnen alle Ausländerinnen und Ausländer, (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler und Eingebürgerten. Ebenso dazu gehören Personen, die zwar mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren sind, bei denen aber mindestens ein Elternteil Ausländer/-in, (Spät-)Aussiedler/-in oder eingebürgert ist.

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Stichwörter:
Bevölkerung, Bevölkerungsstruktur, Statistik, Statistisches Jahrbuch 2017, Migranten, Migrantenquote, Alter, Altersgruppen, Ausländer, Bevölkerungsstatistik, Altersstruktur, Migrationshintergrund, Mikrozensus, Desatis

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Das Ticken der Migrationsbome

Das Ticken der Migrationsbombe

Zahlen des Statistischen Bundesamtes

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Migration in Deutschland lassen das schreckliche Zukunftszenario erahnen. Wenn man auf die Altersstruktur und das Bildungsniveau schaut, dann weiß man, wie es mit Deutschland weitergeht.

Am 1. August 2017 gab es mal wieder eine Erfolgsmeldung: „Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis des Mikrozensus mitteilt, hatten im Jahr 2016 rund 18,6 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Dies entsprach einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 8,5 %. Das ist der stärkste Zuwachs seit Beginn der Messung im Jahr 2005.“ [1]

„Hurra, hurra, wieder ein neuer Rekord!“, möchte man da schreien.

So definiert das Statistische Bundesamt „Migrationshintergrund“:

  • Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. [1]

… und das sind die Zahlen:

Bevölkerung 2016 nach Migrationsstatus
Migrationsstatus 2016 Veränderung ggü.
Vorjahr
in 1.000 % in 1.000   %
Bevölkerung insgesamt 82.425 100,0 1.021 1,3
ohne Migrationshintergrund 63.848 77,5 -438 -0,7
mit Migrationshintergrund 18.576 22,5 1.458 8,5
   Deutsche 9.615 11,7 269 2,9
        zugewandert 5.144 6,2 121 2,4
        in Deutschland geboren 4.471 5,4 148 3,4
   Ausländer 8.961 10,9 1.189 15,3
        zugewandert 7.594 9,2 1.164 18,1
        in Deutschland geboren 1.367 1,7 25 1,9
  Quelle: Mikrozensus 2016

22,5 Prozent Migranten könnte Deutschland zur Not verkraften. Die Zeitbombe tickt an anderer Stelle:

Die Migranten sind sehr viel jünger als die Deutschen. Bei den 5-bis-10-Jährigen beträgt ihr Anteil 37,2 Prozent, bei den 0-bis-5-Jährigen sogar 38,1 Prozent. Mit jedem Jahr wird dieser Anteil größer. Zum einen weil auch weiterhin Jahr für Jahr Hunderttausende Migranten ins Land strömen (wenn noch mehr kommen, dann sind sie halt da), zum zweiten weil die Migranten eine viel höhere Geburtenrate haben und zum dritten weil die Zahl der Deutschen dramatisch schrumpfen wird. Nur noch wenige Jahre, dann werden die deutschen Kinder in der Minderheit sein. [A1]

Die Migranten früherer Jahre kamen zum Großteil aus Europa; und die meisten – abgesehen von den Türken – waren recht gut assimilierbar; nun kommen jedoch massenweise Migranten aus Niedrig- und Niedrigstintelligenzländern, die noch weit unter der Türkei liegen. Zum verheerenden Bildungsniveau der Türkei siehe → Bildungsproblem Türken. Eine Dokumentation der nationalen und internationalen Bildungsstudien
Das Statistische Bundesamt weiß zu berichten: „Mittlerweile haben 2,3 Millionen Menschen in Deutschland ihre Wurzeln im Nahen und Mittleren Osten. Das ist ein Zuwachs gegenüber 2011 von fast 51 %. Afrika gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Rund 740 000 Menschen sind afrikanischer Herkunft, das sind gut 46 % mehr als im Jahr 2011.“ [1]
„Hurra, hurra, Rekord über Rekord!“, möchte man rufen.
Kein Bildungssystem der Welt wird es jemals schaffen, diese Menschen auf ein halbwegs akzeptables Bildungsniveau zu bringen. Die allermeisten werden bis an ihr Lebensende auf Kosten des deutschen Sozialstaats leben und massenweise Kinder in die Welt setzten, die ebenfalls auf den untersten Stufen der Bildungsleiter stehen werden.

Es gibt nichts, das diese Entwicklung stoppen kann; und es gibt nichts, das den rasanten wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Abstieg Deutschlands verhindern wird. – Und die Deutschen werden weiterhin diejenigen wählen, die diese Katastrophe in voller Absicht herbeigeführt haben.

*

Literatur

[1] Statistisches Bundesamt. Pressemitteilung vom 01. August 2017 – 261/17. Bevölkerung mit Migrationshintergrund um 8,5 % gestiegen.

Herausgeber: © Statistisches Bundesamt,
presse@destatis.de
www.destatis.de
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/08/PD17_261_12511pdf.pdf?__blob=publicationFile

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Anmerkungen

[A1] Ein statistischer Trick wird allerdings verhindern, dass dies allzu offenkundig ist: Migranten erhalten die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihre Kinder haben dann per Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit und folglich haben die Nachfolgenden keinen Migrationshintergrund – hei, so einfach ist das mit der Statistik! Und so werden auch die Deutschen ohne Migrationshintergrund immer dümmer und dümmer. Die Vererbung richtet sich nicht nach dem, was im Pass steht.

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Schlagwörter:
Statistik, Bevölkerung, Bevölkerungsstatistik, Ausländer, Migranten, Migrationshintergrund, Statistisches Bundesamt, Zuwanderer, Zuwanderung, Migration, Mikrozensus

Auf nach Estland! – Teil 16

Auf nach Estland!

Teil 16: Gute Migranten, schlechte Migranten – Deutschland, Estland, Finnland

Ein Fazit des nationalen PISA-Berichts lautet: „Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten ist der Kompetenzunterschied zwischen Jugendlichen aus zugewanderten Familien und Jugendlichen ohne Zuwanderungshintergrund in Deutschland am größten ausgeprägt“ (Rauch et al., 2016, S.332) (1).

Diese Aussage ist unmissverständlich. Man kann sie aber auch so formulieren:

  • In keinem einzigen Land in Europa wird das Bildungsniveau durch Migranten derart massiv nach unten gedrückt wie in Deutschland.

Alle Studien zeigen, dass Schüler mit Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion und Polen rasch zu den einheimischen Schülern aufschließen. Schülern mit Wurzeln in islamisch geprägten Ländern gelingt dies nur in Ausnahmefällen; die meisten hinken auch in der zweiten Generation weit hinterher. Mit Sicherheit gilt dies noch stärker für schwarzafrikanische Schüler, die jedoch nicht gesondert berücksichtigt werden und in der Sammelgruppe „Anderes Land“ versteckt sind.

Für jeden, der nicht mit politisch korrekter Blindheit geschlagen ist, ist dieses Muster eine banale Selbstverständlichkeit. Die islamischen Länder sind ausnahmslos Niedrigintelligenzländer – die Türkei gehört in dieser Gruppe sogar zu den Besten! – und in Schwarzafrika finden sich ausnahmslos Niedrigstintelligenzländer (2).

  • Die Leistungen der Migranten sind lediglich ein Spiegelbild des Intelligenzniveaus ihrer Herkunftsländer.

Ausgangspunkt dieser Serie war der SPIEGEL-ONLINE-Artikel „Digitales Klassenzimmer. Warum Estlands Schüler den deutschen weit voraus sind“ von Julia Köppe (3).

Nein, Frau Köppe – es ist nicht die Digitalisierung, es sind die Migranten, die den Unterschied zwischen Deutschland und Estland ausmachen!

Etwa 86 Prozent der Ausländer in Estland stammen aus Russland, der Rest aus den baltischen Ländern, der Ukraine, Weißrussland oder Deutschland. Migranten aus diesen Ländern erreichen auch in Deutschland gute Leistungen. Weniger als 1 Prozent stammen aus den übrigen Ländern dieser Welt. Moslems und Schwarzafrikaner muss man in Estland lange, lange, lange suchen. So ist es kein Wunder, dass die Leistungen der Migranten in Estland sogar über dem Niveau der 35 OECD-Staaten liegen.

Wer sich köstlich amüsieren will, dem sei der Beitrag → „Sieben Flüchtlinge erreichen Estland“ empfohlen: „Estland dagegen bekennt sich zur europäischen Solidarität. Der baltische Staat, mit der Fläche von Niedersachsen und mit 1,3 Millionen Einwohnern so groß wie München, will in den nächsten zwei Jahren 550 Flüchtlinge aufnehmen. Doch erst jetzt kommen die ersten Flüchtlinge aus Griechenland an. Es sind nur sieben Menschen – eine Familie mit drei Kindern im Schulalter aus dem Irak, ein Einzelhandelskaufmann aus Syrien und ein Journalist aus dem Jemen.“
Vermutlich haben die sieben schon lange den Weg ins Paradies Deutschland gefunden.

Im Gegensatz zu Estland hat Finnland ebenso wie Deutschland sehr schlechte Migranten, aber ihre Zahl ist im Gegensatz zu Deutschland moderat, so dass sich der negative Einfluss auf das Gesamtniveau Finnlands in Grenzen hält.

Der Vergleich Deutschland, Estland, Finnland zeigt, dass es auf Qualität und Quantität ankommt.

Der Unterschied zwischen Deutschland und Estland besteht in der Qualität. Estland hat gute, Deutschland hat sehr schlechte Migranten.

Der Unterschied zwischen Deutschland und Finnland besteht in der Quantität – oder im Unterschied zwischen Doppel-s und ß. Beide haben sehr schlechte Migranten. Finnland hat sie in Maßen, Deutschland hat sie in Massen.

  • Die deutsche Migrationspolitik ist so ausgerichtet, dass sie das Bildungsniveau maximal absenkt – sehr schlechte Schüler und davon sehr viele. Wenn man die Schulen mit Schülern mit geringer Intelligenz füllt, dann helfen auch die besten Lehrer und die supertollste Digitalisierung nichts.

Im abschließenden Beitrag dieser Serie wenden wir uns den hervorragenden deutschstämmigen Schülern zu, die zur absoluten Weltspitze zählen.

Hier gibt es die Fortsetzung → Teil 17


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Quellen und Anmerkungen

(1) Dominique Rauch, Julia Mang, Hendrik Härtig & Nicole Haag (2016). Naturwissenschaftliche Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungshintergrund. In Kristina Reiss, Christine Sälzer, Anja Schiepe-Tiska, Eckhard Klieme & Olaf Köller (Hrsg.). PISA 2015. Eine Studie zwischen Kontinuität und Innovation. Münster: Waxmann (S.316-347).

(2) Sie hierzu:
PISA – Mathematik in islamischen Ländern
PISA und Naturwissenschaften in islamischen Ländern
PISA und Leseverständnis in islamischen Ländern
PISA 2015 – Intelligenz in Europa
→ Serie Intelligenz und Intelligenzminderung in Deutschland – Arabien – Sub-Sahara-Afrika
→ Serie Bildungsniveau von Migranten

(3) Julia Köppe: Digitales Klassenzimmer. Warum Estlands Schüler den deutschen weit voraus sind. SPIEGEL ONLINE, 08. November 2017.

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Stichwörter:
Bildung, PISA, Migranten, Migrationshintergrund, Zuwanderungshintergrund, Türkei, Russland, Islam, Moslems, Schwarzafrika, Herkunftsregion, Estland, Finnland, SPIEGEL ONLINE

Auf nach Estland! – Teil 15

Auf nach Estland!

Teil 15: Gute Migranten, schlechte Migranten – Herkunftsregion


Besonders große Disparitäten … sind für Jugendliche mit zwei in der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien oder in einem arabischen Land geborenen Elternteilen zu finden.
Haag et al. (2016, S.455) (1)



Im vorangegangenen Beitrag → Teil 14 haben wir gesehen, dass sich die Leistungen der Migranten in Deutschland in Abhängigkeit vom Generationenstatus sehr stark unterscheiden. Noch wesentlich gravierender sind die Unterschiede, wenn man die Herkunftsregion berücksichtigt.

Rauch et al. (2016) (2) unterscheiden zwischen: Ehemalige Sowjetunion, Türkei, Polen und Anderes Land. Detailliert berichten sie über Zusammenhänge zwischen der Herkunftsregion und dem Sozioökonomischen Status der Eltern, dem Bildungsniveau der Eltern, den Kulturellen Ressourcen in der Familie und der zu Hause gesprochenen Sprache. Trotz intensiver Suche konnte ich jedoch keine Angaben über die Schülerleistungen finden. Dies ist ein bemerkenswertes Beispiel vorauseilender Political Correctness.

Glücklicherweise sind in allen anderen nationalen PISA-Berichten und in allen Berichten zu den nationalen Studien des IQB die Leistungen auch nach der Herkunftsregion aufgeschlüsselt.

In der Serie → Von älteren Lehrerinnen, Mathematik und Migranten haben wir am Beispiel der nationalen IQB-Studie 2012 (2) gesehen:

Schüler mit Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion und Polen schneiden in Mathematik etwas, aber nicht viel schlechter ab als deutsche Schüler. Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien zeigen erheblich schlechtere Leistungen und am allerschlechtesten sind Schüler mit türkischen Wurzeln.

Dasselbe Grundmuster zeigt sich in allen nationalen und internationalen Studien und in allen Fächern. In den nationalen IQB-Studien 2015 und 2016 wurden zusätzlich die arabischen Länder berücksichtigt und die Schüler aus dieser Region zeigten – wie nicht anders zu erwarten – außerordentlich schlechte Leistungen. Sehr schlecht schneidet stets auch „Anderes Land“ ab, das jeweils die mit Abstand größte Migrantengruppe stellt.

Bei der simultanen Differenzierung nach Herkunftsregion und der Zahl der im Ausland geborenen Elternteile sind Migranten mit nur einem in der ehemaligen Sowjetunion oder Polen geborenen Elternteil den einheimischen Schülern oftmals vergleichbar, hin und wieder schneiden sie sogar ein wenig besser ab. Bei türkischstämmigen Schülern sind hingegen kaum Anzeichen einer Leistungsassimilation zu erkennen.

Vor diesem Hintergrund vergleichen wir in der nächsten Folge die Migranten in Deutschland, Estland und Finnland.

Hier gibt es die Fortsetzung → Teil 16.


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Quellen und Anmerkungen

(1) Nicole Haag, Katrin Böhme, Camilla Rjosk und Petra Stanat (2016). Zuwanderungsbezogene Disparitäten. In Petra Stanat, Katrin Böhme, Stefan Schipolowski und Nicole Haag (Hrsg.). IQB-Bildungstrend 2016. Sprachliche Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im zweiten Ländervergleich. Münster: Waxmann, 2016, S. 431-479.

(2) Dominique Rauch, Julia Mang, Hendrik Härtig & Nicole Haag (2016). Naturwissenschaftliche Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungshintergrund. In Kristina Reiss, Christine Sälzer, Anja Schiepe-Tiska, Eckhard Klieme & Olaf Köller (Hrsg.). PISA 2015. Eine Studie zwischen Kontinuität und Innovation. Münster: Waxmann (S.316-347).

(3) Hans Anand Pant, Petra Stanat, Ulrich Schroeders, Alexander Roppelt, Thilo Siegle, Claudia Pöhlmann (Hrsg.): IQB-Ländervergleich 2012 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Münster: Waxmann Verlag GmbH, 2013.
Im Internet erhältlich unter https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/lv2012/Bericht

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Stichwörter:
Bildung, PISA, IQB, Migranten, Migrationshintergrund, Zuwanderungshintergrund, Migrationsstatus, Generationenstatus, Türkei, Polen, Sowjetunion, Jugoslawien, Arabien, Herkunftsregion

Auf nach Estland! – Teil 14

Auf nach Estland!

Teil 14: Gute Migranten, schlechte Migranten – Generationenstatus

Diese Serie hat deutlich gemacht, dass praktisch alle Unterschiede zwischen Deutschland, Estland und Finnland in PISA 2015 (1) auf die Migranten zurückzuführen sind.

Daher richten wir nun den Blick auf die Migranten in Deutschland. Dabei sei angemerkt, dass das im Folgenden gezeichnete Bild der Migranten zu positiv ausfällt. Wie im → Teil 13 gesehen, konnte aufgrund fehlender Werte einem Siebtel der Schüler kein Migrationsstatus zugeordnet werden. In dieser Gruppe befinden sich mit Sicherheit sehr viele Migranten mit außerordentlich schlechten Leistungen, die das ohnehin sehr niedrige Niveau noch weiter drücken würden.

Naturgemäß sind die folgenden Aussagen auf die Schüler beschränkt, welche als Migranten identifiziert werden konnten.

Wie in nationalen und internationalen Bildungsstudien üblich unterscheiden Rauch et al. (2016) (2) im Hinblick auf den Generationenstatus nach:

  • Ein Elternteil im Ausland geboren   Ein Elternteil im Ausland, ein Elternteil in Deutschland geboren.
  • Zweite Generation   Beide Eltern im Ausland, der Schüler in Deutschland geboren.
  • Erste Generation   Beide Eltern und der Schüler im Ausland geboren.

Bei 39,6 Prozent der als Migranten identifizierten Schüler war ein Elternteil im Ausland geboren; 47,1 Prozent gehörten zur zweiten und 13,3 Prozent zur ersten Generation (3).

Im Themenschwerpunkt Naturwissenschaften erreichten die einheimischen Schüler 532 Punkte.
Für die Migrantengruppen nach Generationenstatus lauten die Werte:
Ein Elternteil im Ausland geboren: 497
Zweite Generation: 461
Erste Generation: 433.

Nach PISA 2015 (S.74) kann man grob davon ausgehen, dass der Lernzuwachs in einem Schuljahr am Ende der Sekundarstufe I etwa 30 Punkte beträgt. Das heißt:

  • Schüler mit einem im Ausland geborenen Elternteil haben einen Rückstand von einem Schuljahr.
  • Schüler der zweiten Generation hinken mehr als zwei Schuljahre hinterher.
  • Bei Schülern der ersten Generation beträgt der Leistungsrückstand sogar mehr als drei Schuljahre.

Das grundlegende Muster ist über die Jahre hinweg in allen internationalen und nationalen Bildungsstudien sowie in allen Themenbereichen dasselbe.
Schüler der ersten Generation, die selbst als Kinder nach Deutschland gekommen sind, schneiden miserabel ab.
Die zweite Generation, also Schüler, die in Deutschland geboren und in aller Regel hier aufgewachsen sind, zeigen bessere Leistungen, sie liegen aber dennoch weit unter den Einheimischen.
Schüler mit einem im Ausland geborenen Elternteil bilden die leistungsfähigste Migrantengruppe, aber auch sie liegen deutlich hinter den Einheimischen.

Migranten unterscheiden sich nicht nur durch den Generationenstatus. Eine zentrale und letztlich viel entscheidendere Rolle spielt die Herkunftsregion, der wir uns in der nächsten Folge zuwenden.

Hier gibt es die Fortsetzung → Teil 15.


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Quellen und Anmerkungen

(1) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w
PISA 2015. Zusatzmaterialien im Internet. Anhang zu Kapitel 7. http://dx.doi.org/10.1787/888933433226

(2) Dominique Rauch, Julia Mang, Hendrik Härtig & Nicole Haag (2016). Naturwissenschaftliche Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungshintergrund. In Kristina Reiss, Christine Sälzer, Anja Schiepe-Tiska, Eckhard Klieme & Olaf Köller (Hrsg.). PISA 2015. Eine Studie zwischen Kontinuität und Innovation. Münster: Waxmann (S.316-347).

(3) In der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 stellten Migranten der ersten Generation mit 47 Prozent noch die größte Gruppe. Ihr Anteil ist seither kontinuierlich zurückgegangen. Durch die merkelsche Masseninvasion seit 2015 wird sich dieser erfreuliche Trend leider umkehren. Die Wertungen „erfreulich“ und „leider“ ergeben sich daraus, dass seit vielen Jahren fast nur noch extrem schlechte Migranten aus Niedrig- und Niedrigsintelligenzländern nach Deutschland strömen; siehe zum Beispiel → Asylpolitik und Dysgenik und den nächsten Teil dieser Serie.

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Bildung, PISA, Migranten, Migrationshintergrund, Zuwanderungshintergrund, Migrationsstatus, Generationenstatus

Auf nach Estland! – Teil 13

Auf nach Estland!

Teil 13: Zum Problem der fehlenden Werte

Im → Teil 10 haben wir eine Fußnote aus PISA 2015 (1) zitiert: „Bei der Interpretation der Ergebnisse für Deutschland ist aufgrund fehlender Daten für die Variablen Migrationshintergrund … Vorsicht geboten“ (S.284). Diese Warnung greifen wir nun auf und fragen, welche Auswirkungen die fehlenden Werte auf die bisherigen Befunde haben könnten.

Nach Rauch et al. (2016) (2) beträgt der Anteil der fehlenden Werte 14,3 Prozent. Von den gültigen Werten entfallen 72,2 Prozent auf Einheimische und 27,8 Prozent auf Migranten.

Tabelle 13.1 zeigt die prozentuale Aufteilung der Gesamtstichprobe und die Punktzahl in den Naturwissenschaften.

Tabelle 13.1: PISA 2015 – Migrationsstatus und Leistung in Naturwissenschaften.

Anteil Punkte
Identifizierte Einheimische 61,9 532
Identifizierte Migranten 23,8 471
Nicht zuzuordnen 14,3 469
Deutschland insgesamt 100 509

Die Nichtzuzuordnenden sind 40 Punkte schlechter als die Gesamtstichprobe, 2 Punkte schlechter als die identifizierten Migranten und 63 Punkte schlechter als die identifizierten Einheimischen. Es ist naturgemäß nicht feststellbar, wie die Proportionen aussehen, aber es ist sicher, dass die Migrantenquote in dieser Gruppe erheblich größer sein muss als bei den Schülern mit gültigen Angaben.

Dazu ein – willkürlich konstruiertes extrem konservatives – Beispiel: Unterstellt man in der Gruppe der Nichtzuordenbaren das gleiche Verhältnis wie bei den gültigen Werten (72,2 Prozent Einheimische und 27,8 Prozent Migranten), dann würde aus einer Punktzahl von 500 für die Einheimischen eine Punktzahl von 389 für die Migranten folgen. Das sind natürlich absurde Werte.

Die Frage, wie das Verhältnis von Einheimischen zu Migranten bei den Nichtzuordenbaren aussieht und welche Werte die Einheimischen und die Migranten in dieser Gruppe erzielten, kann prinzipiell nicht definitiv beantwortet werden. Man kann allenfalls plausible Abschätzungen versuchen. Dieses komplexe Thema werde ich in einem anderen Beitrag aufgreifen. An dieser Stelle will ich lediglich darstellen, wie sich das extrem konservative, absurde Beispiel auf das Leistungsniveau der Einheimischen nach der nationalen Klassifikation auswirken würde, das wir in den letzten beiden Folgen betrachtet haben.

72,2 Prozent von 14,3 sind 10,3 Prozent. Die Einheimischen würden sich also zusammensetzen aus 61,9 Prozent Identifizierten und 10,3 Prozent Nichtzuzuordnenden. Die erste Teilgruppe erreichte 532 Punkte. Unterstellt man – völlig unrealistisch konservativ –, dass die zweite Teilgruppe nur 500 Punkte erreichte, dann ergibt sich für die Gesamtgruppe der Einheimischen ein Wert von 527. Das ist mit Sicherheit eine massive Unterschätzung. Zufällig ist es genau der Wert, der sich nach der OECD-PISA-Klassifikation ergibt.

Damit können wir selbst unter absurd konservativen Annahmen das festhalten, was bereits auf der Basis der OECD-PISA-Klassifikation feststand:

  • Betrachtet man nur die Einheimischen, dann sind keine Unterschiede zwischen Deutschen, Esten und Finnen festzustellen. Unterschiede zwischen den Gesamtbevölkerungen sind praktisch ausschließlich auf die Migranten zurückzuführen.

Auf das sehr hohe Niveau der einheimischen Schüler kommen wir später noch einmal zurück. In der nächsten Folge wenden wir uns den Migranten zu.

Hier gibt es die Fortsetzung → Teil 14


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Quellen und Anmerkungen

(1) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w
PISA 2015. Zusatzmaterialien im Internet. Anhang zu Kapitel 7. http://dx.doi.org/10.1787/888933433226

(2) Dominique Rauch, Julia Mang, Hendrik Härtig & Nicole Haag (2016). Naturwissenschaftliche Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungshintergrund. In Kristina Reiss, Christine Sälzer, Anja Schiepe-Tiska, Eckhard Klieme & Olaf Köller (Hrsg.). PISA 2015. Eine Studie zwischen Kontinuität und Innovation. Münster: Waxmann (S.316-347).

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Bildung, PISA, Migranten, Migrationshintergrund, Zuwanderungshintergrund, Migrationsstatus, Naturwissenschaften, Fehlende Werte

Auf nach Estland! – Teil 12

PISA 2015 - Mathematik - Vergleich von Klassifikationssystemem OECD IQB

Auf nach Estland!

Teil 12: Estland, Finnland und Deutschland – Keinerlei Unterschiede (Fortsetzung)

Im vorangegangen Beitrag → Teil 11 haben wir gesehen, dass auf der Grundlage der nationalen Klassifikation des Migrationsstatus‘ in den Naturwissenschaften keine nennenswerten Unterschiede zwischen einheimischen Deutschen, Esten und Finnen bestehen.

In den Fächern Lesekompetenz und Mathematik waren die Unterschiede bereits nach der OECD-PISA-Klassifikation verschwunden. Diese beiden Fächer waren 2015 kein Schwerpunkt, daher liegen nur für Deutschland zusätzliche Daten auf der Grundlage der nationalen Klassifikation vor. Auch wenn es bereits auf OECD-PISA-Basis keine Unterschiede gab, lohnt sich dennoch ein Vergleich der beiden Klassifikationssysteme.

Abbildung 12.1 veranschaulicht die Lesekompetenz der Gesamtstichprobe (links), die Leistung der Einheimischen nach der OECD-PISA-Klassifikation (Mitte) und der Einheimischen nach der nationalen Klassifikation, die auch in den IQB-Studien Anwendung (Nat.-IQB) findet (rechts).

PISA 2015 - Lesekompetenz - Vergleich von Klassifikationssystemen OECD IQB
Abbildung 12.1: PISA 2015 – Lesekompetenz. Gesamtstichprobe und Einheimische nach unterschiedlichen Klassifikationssystemen.
Gesamt: Gesamtstichprobe
OECD-PISA: Einheimische nach der Klassifikation der OECD; offizielle PISA-Studien
Nat.-IQB: Einheimische nach der nationalen Klassifikation, die auch den IQB-Studien zugrunde liegt.

Der linke und mittlere Teil von Abbildung 12.1 zeigen das bereits Bekannte: In der Gesamtbevölkerung lag Deutschland 17 Punkte hinter Finnland und 10 Punkte hinter Estland. Bei den OECD-PISA-Einheimischen war der Abstand zu Finnland auf 5 Punkte geschrumpft; und der 10-Punkte-Rückstand gegenüber Estland hatte sich zu einem 3-Punkte-Vorsprung umgekehrt. Nach der nationalen Klassifikation hat Deutschland weitere 4 Punkte hinzugewonnen. Ob Estland und Finnland etwas hinzugewonnen haben, ist fraglich; mit Sicherheit sind es deutlich weniger als 4 Punkte. Die Differenz Deutschland-Finnland ist verschwindend klein und der Vorsprung Deutschlands gegenüber Estland ist statistisch und betragsmäßig bedeutungslos.

Abbildung 12.1 zeigt den entsprechenden Vergleich für das Fach Mathematik.

PISA 2015 - Mathematik - Vergleich von Klassifikationssystemem OECD IQB
Abbildung 12.1: PISA 2015 – Lesekompetenz. Gesamtstichprobe und Einheimische nach unterschiedlichen Klassifikationssystemen.
Gesamt: Gesamtstichprobe
OECD-PISA: Einheimische nach der Klassifikation der OECD; offizielle PISA-Studien
Nat.-IQB: Einheimische nach der nationalen Klassifikation, die auch den IQB-Studien zugrunde liegt.

Nach der nationalen Klassifikation haben die einheimischen Deutschen weitere 5 Punkte hinzugewonnen. Damit liegen sie einen Punkt vor den OECD-PISA-Esten und 10 Punkte vor den OECD-PISA-Finnen. Auch hier ist es fraglich, ob Esten und Finnen nach der nationalen Klassifikation hinzugewinnen würden. Wenn überhaupt, dann sind diese Zugewinne minimal. Somit sind Deutsche und Esten praktisch punktgleich. Der Vorsprung der Deutschen gegenüber den Finnen ist vermutlich statistisch signifikant; der Unterschied von 10-x mit sehr, sehr kleinem x ist aber nicht sonderlich bedeutsam.

Insgesamt hat die nationale Klassifikation das noch stärker untermauert, was bereits nach der OECD-PISA-Klassifikation offenkundig war:

  • Betrachtet man nur die Einheimischen, dann sind keine Unterschiede zwischen Deutschen, Esten und Finnen festzustellen. Unterschiede zwischen den Gesamtbevölkerungen sind praktisch ausschließlich auf die Migranten zurückzuführen.

Bei allen Vergleichen zwischen Deutschland und anderen Ländern – egal ob auf OECD-PISA-Basis oder nach der nationalen Klassifikation – ist jedoch zu beachten, dass in Deutschland wegen fehlender Werte außergewöhnlich vielen Schülern kein Migrationsstatus zugeordnet werden konnte. Dadurch werden die deutschen Einheimischen ein kleines bisschen überschätzt. Auf diesen Punkt gehen wir im nächsten Beitrag ein.

Hier gibt es die Fortsetzung → Teil 13.


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Bildung, PISA, Migranten, Migrationshintergrund, Zuwanderungshintergrund, Migrationsstatus, IQB, OECD, Naturwissenschaften

Auf nach Estland! – Teil 11

PISA 2015 - Naturwissenschaften - Vergleich von Klassifikationssystemen

Auf nach Estland!

Teil 11: Estland, Finnland und Deutschland – Keinerlei Unterschiede

Auf der Grundlage von PISA 2015 (1) haben wir festgestellt, dass bei den Einheimischen praktisch kein Unterschied zwischen Deutschen, Esten und Finnen besteht. Die Unterschiede zwischen den Gesamtbevölkerungen gehen praktisch vollständig auf das Konto der Migranten.

Im → Teil 10 haben wir jedoch gesehen, dass die offiziellen von der OECD herausgegebenen PISA-Berichte auf einer völlig unsinnigen Definition von Migrationshintergrund beruhen. Nach der OECD-Klassifikation gelten alle Schüler, deren Mutter und/oder Vater in Deutschland geboren ist, als Schüler ohne Migrationshintergrund.

In nationalen Bildungsstudien werden Schüler nur dann der Kategorie Ohne Zuwanderungshintergrund zugeordnet, wenn kein Elternteil im Ausland geboren wurde. Diese Definition enthält zwar immer noch abstruse Fälle, sie ist aber wesentlich brauchbarer als die OECD-PISA-Klassifikation.

Im Folgenden vergleichen wir den Effekt der Migranten auf der Basis der nationalen Klassifikation. Als Erstes betrachten wir das Fach Naturwissenschaften, das in der jüngsten PISA-Studie Schwerpunktthema war. Die Daten basieren auf dem Beitrag von Rauch et al. (2) im nationalen PISA-2015-Bericht. Dort werden unter anderem Deutschland und Finnland berücksichtig, Estland leider nicht.

Abbildung 11.1 veranschaulicht die Leistungen der Gesamtstichprobe (links), die Leistung der Einheimischen nach der OECD-PISA-Klassifikation (Mitte) und der Einheimischen nach der nationalen Klassifikation, die auch in den IQB-Studien Anwendung (Nat.-IQB) findet (rechts).

PISA 2015 - Naturwissenschaften - Vergleich von Klassifikationssystemen
Abbildung 11.1: PISA 2015 – Naturwissenschaften. Gesamtstichprobe und Einheimische nach unterschiedlichen Klassifikationssystemen.
Gesamt: Gesamtstichprobe
OECD-PISA: Einheimische nach der Klassifikation der OECD; offizielle PISA-Studien
Nat.-IQB: Einheimische nach der nationalen Klassifikation, die auch den IQB-Studien zugrunde liegt.

Der linke und mittlere Teil von Abbildung 11.1 zeigen das bereits Bekannte: In der Gesamtstichprobe liegt Deutschland 25 Punkte hinter Estland. Bereits im offiziellen PISA-Bericht (Mitte) ist bei den Einheimischen der Abstand auf 12 Punkte geschrumpft. Der Abstand zu Finnland hat sich von 22 auf 8 Punkte reduziert.

Der springende Punkt liegt im rechten Teil der Abbildung: Auf der Basis der nationalen Klassifikation ist die Leistung der einheimischen Deutschen um weitere 5 Punkte gestiegen. Für Finnland ergeben die beiden Klassifikationssysteme identische Werte. Damit hat sich der Abstand Deutschland-Finnland von 22 über 8 auf nur noch 3 Punkte reduziert. Drei Punkte sind statistisch und inhaltlich bedeutungslos. Einheimische Finnen und einheimische Deutsche zeigen dasselbe sehr hohe Leistungsniveau.

Für Estland sind leider keine Daten auf der Basis der nationalen Klassifikation verfügbar. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die unterschiedlichen Klassifikationssysteme auch für Estland bedeutungslos sind. Zum einen hat Estland viel bessere Migranten, zum anderen hat Estland viel weniger Migranten. Es ist fraglich, ob Estland nach der nationalen Klassifikation überhaupt einen einzigen Punkt hinzugewinnen würde. Durch den 5-Punkte-Zugewinn hat Deutschland auf jeden Fall noch weiter zu Estland aufgeschlossen. Der 25-Punkte-Vorsprung Estlands in der Gesamtstichprobe ist bei den Einheimischen auf 7+x mit einem sehr, sehr kleinen x zusammengeschmolzen.

Auf der Basis der nationalen Klassifikation wird das Kernergebnis noch stärker gestützt als ohnehin schon:

  • Zwischen einheimischen Deutschen, Esten und Finnen bestehen keine nennenswerten Unterschiede.

Im nächsten Beitrag werden wir diese Betrachtung auf die Lesekompetenz und Mathematik ausdehnen, welche 2015 kein Schwerpunktthema waren.

Hier gibt es die Fortsetzung → Teil 12.


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Quellen und Anmerkungen

(1) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w
PISA 2015. Zusatzmaterialien im Internet. Anhang zu Kapitel 7. http://dx.doi.org/10.1787/888933433226

(2) Dominique Rauch, Julia Mang, Hendrik Härtig & Nicole Haag (2016). Naturwissenschaftliche Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungshintergrund. In Kristina Reiss, Christine Sälzer, Anja Schiepe-Tiska, Eckhard Klieme & Olaf Köller (Hrsg.). PISA 2015. Eine Studie zwischen Kontinuität und Innovation. Münster: Waxmann (S.316-347).

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Bildung, PISA, Migranten, Migrationshintergrund, Zuwanderungshintergrund, Migrationsstatus, IQB, OECD, Naturwissenschaften

Auf nach Estland! – Teil 10

Auf nach Estland!

Teil 10: Migrationsstatus – Was versteht man eigentlich unter Zuwanderungs- oder Migrationshintergrund?

In dieser Serie haben wir gezeigt, dass die Migranten einen außerordentlich starken negativen Effekt auf das Bildungsniveau in Deutschland haben. Dabei ist auch klar geworden, dass der Effekt sowohl vom Leistungsniveau als auch von dem relativen Anteil der Migranten, also der Migrantenquote, abhängt.

Laut PISA 2015 (1) betrug der Anteil Schüler mit Migrationshintergrund in Deutschland 16,9 Prozent. Jeder, der in diesem Jahrhundert mit offenen Augen durch Deutschland gegangen ist, weiß, dass mit dieser Zahl etwas nicht in Ordnung ist. Bereits der nationale PISA-Report für das Jahr 2000 (2) weist für Deutschland eine Migrantenquote von 21,8 Prozent aus! Die Zeiten, in denen die Quote noch 16,9 Prozent betrug, sind lange vorbei; das war etliche Jahre vor der Jahrtausendwende.

Die offizielle PISA-Studie der OECD liefert zwei Hinweise, worauf das Missverhältnis zurückzuführen ist.

Eine Fußnote auf Seite 284 lautet: „Bei der Interpretation der Ergebnisse für Deutschland ist aufgrund fehlender Daten für die Variablen Migrationshintergrund und zu Hause gesprochene Spache Vorsicht geboten.“ Bezeichnenderweise gibt es einen solchen Warnhinweis für kein anderes Land. Lediglich in Deutschland gibt es einige Bundesländer, die unter dem Deckmantel Datenschutz die Bildungsforschung ad absurdum führen.

Noch wichtiger ist die PISA-Definition von Migrationshintergrund: „Schüler ohne Migrationshintergrund   sind Schüler, deren Mutter und/oder Vater in dem Land … geboren sind, in dem … sie am PISA-Test teilnahmen, unabhängig davon, ob sie selbst in diesem Land … geboren sind“.

Wenn zum Beispiel der in Deutschland geborene türkischstämmige Mustafa die in Anatolien geborene Ayshe heiratet und deren Kinder in Deutschland zur Schule gehen, dann sind diese nach PISA Schüler ohne Migrationshintergrund. Diese Definition ist schlechterdings absurd! Sie wird gleichwohl in den von der OECD getragenen PISA-Studien durchgängig angewandt. Da die Kinder der Mustafas und Ayshes in der Regel sehr viel schlechter sind, ziehen sie das Leistungsniveau der echten Einheimischen nach unten.

In den nationalen Bildungsstudien des IQB und den nationalen Berichten zu den PISA-Studien wird der Migrationsstatus gottseidank anders definiert. Rauch, Mang, Härtig & Haag (2016) (3) treffen folgende Unterscheidung:

  • Ohne Zuwanderungshintergrund:   Kein Elternteil im Ausland geboren.
  • Ein Elternteil im Ausland geboren:   Ein Elternteil im Ausland, ein Elternteil in Deutschland … geboren.
  • Zweite Generation:   Beide Elternteile im Ausland geboren, Jugendliche/r in Deutschland … geboren.
  • Erste Generation:   Beide Elternteile und Jugendliche/r im Ausland geboren.

Damit werden zwar absurderweise immer noch die Kinder der beiderseits in Deutschland geborenen Mohammeds und Fatimas unter dem Etikett Ohne Zuwanderungshintergrund  geführt, aber es ist eine deutliche Verbesserung gegenüber der völlig abstrusen OECD-PISA-Definition.

Nach Rauch et al. (2016) (3) ergeben sich für PISA 2015 die folgenden Werte:

Nicht zuzuordnen:   14,3 %

Unter den gültigen Werten:

Ohne Zuwanderungshintergrund:   72,2 Prozent
Mit Zuwanderungshintergrund:   27,8 Prozent

Nach Generationenstatus:
Ein Elternteil im Ausland geboren:   11,0%
Zweite Generation:   13,1 Prozent
Erste Generation:   3,7 Prozent

Nach Herkunftsregion:
Ehemalige Sowjetunion:   4,8 Prozent
Türkei:   5.5 Prozent
Polen:   2,4 Prozent
Anderes Land:   15,2 Prozent

Nach der PISA-Definition hatten lediglich 16,9 Prozent der Schüler einen Zuwanderungshintergrund – nach der nationalen Klassifikation sind es hingegen 27,8 Prozent! (In dieser Zahl sind die 14,3 Prozent Nichtzuzuordnenden, die mit großer Sicherheit zum allergrößten Teil Migranten sind, naturgemäß nicht mitgezählt.)

In der nächsten Folge werden wir sehen, wie der Effekt der Migranten nach der nationalen Klassifikation aussieht.

Hier gibt es die Fortsetzung → Teil 11


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Quellen und Anmerkungen

(1) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w
PISA 2015. Zusatzmaterialien im Internet. Anhang zu Kapitel 7. http://dx.doi.org/10.1787/888933433226

(2) Jürgen Baumert et al. (Hrsg.) (2000). PISA 2000 – Die Länder der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich. Oppladen: Leske + Budrich.

(3) Dominique Rauch, Julia Mang, Hendrik Härtig & Nicole Haag (2016). Naturwissenschaftliche Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungshintergrund. In Kristina Reiss, Christine Sälzer, Anja Schiepe-Tiska, Eckhard Klieme & Olaf Köller (Hrsg.). PISA 2015. Eine Studie zwischen Kontinuität und Innovation. Münster: Waxmann (S.316-347).

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Bildung, PISA, Migranten, Migrationshintergrund, Zuwanderungshintergrund, Migrationsstatus, IQB, OECD

Auf nach Estland! – Teil 9

Auf nach Estland!

Teil 9: Zwischenbilanz (Fortsetzung)

Die Analyse von PISA 2015 (1) zeigt unzweifelhaft: Die Unterschiede zwischen Deutschland, Estland und Finnland sind praktisch ausschließlich auf die Migranten zurückzuführen.

Eines der bemerkenswertesten Ergebnisse ist uns im → Teil 5 am Beispiel Mathematik begegnet:

  • Betrachtet man nur die Einheimischen, dann ist Deutschland um 5 Punkte besser als Finnland.
  • Betrachtet man nur die Migranten, dann ist Deutschland sogar um 14 Punkte besser als Finnland.
  • Betrachtet man die Gesamtbevölkerung, dann ist Deutschland um 5 Punkte schlechter als Finnland!

Diese auf den ersten Blick grotesk erscheinende Konstellation ergibt sich daraus, dass die Migrantenquote in Deutschland sehr viel höher ist als in Finnland. Nach PISA 2015 beträgt der Migrantenanteil in Deutschland 16,9 Prozent, in Finnland hingegen „nur“ 4 Prozent. Allein die schiere Masse bewirkt, dass die schlechten Migranten in Deutschland das Gesamtniveau viel stärker nach unten drücken als die wenigen sehr schlechten Migranten in Finnland.

  • Es ist also stets das Zusammenspiel von Masse und Klasse – von Migrantenquote und Leistungsniveau – zu beachten!

Finnland hat die schlechtesten Migranten. Aber ihre Zahl ist relativ klein, so dass sich die Auswirkungen auf die Gesamtbevölkerung in Grenzen halten.

Estland hat vergleichsweise leistungsfähige Migranten. Ihr Anteil liegt bei 10 Prozent; und die Auswirkungen auf die Gesamtbevölkerung sind moderat.

Deutschland hat schlechte Migranten – und das ist einer sehr großen Zahl. Dadurch wird das Niveau der Gesamtbevölkerung massiv gesenkt. Da die Migrantenquote künftig unweigerlich steigen wird und die neu hinzukommenden Migranten fast nur noch aus Niedrig-
und Niedrigstintelligenzländern stammen, ist die Zukunft Deutschlands eindeutig vorgezeichnet.

Dieser düsteren Zukunftsaussicht ist das positive Resultat entgegenzuhalten:

  • Betrachtet man nur die Einheimischen, dann gibt es praktisch keine Unterschiede zwischen Deutschen, Esten und Finnen.

Das bisher Erarbeitete ist nur die halbe Geschichte. Genauso spannend ist die andere Hälfte, der wir uns nun zuwenden. Dabei spielt die Migrantenquote die zentrale Rolle.

Hier gibt es die → Fortsetzung


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Quellen und Anmerkungen

(1) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w
PISA 2015. Zusatzmaterialien im Internet. Anhang zu Kapitel 7. http://dx.doi.org/10.1787/888933433226

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Bildung, PISA, Estland, Finnland, Deutschland, Mathematik, Lesekompetenz, Naturwissenschaften, Migranten, Migrationshintergrund, IQB

Auf nach Estland! – Teil 8

Auf nach Estland!

Teil 8: Zwischenbilanz (Fortsetzung)

In den Folgen 3 bis 6 haben wir auf der Grundlage von PISA 2015 (1) Die Auswirkungen der Migranten auf das Leistungsniveau in Deutschland, Estland und Finnland untersucht.

In allen drei Ländern schneiden die Migranten (sehr) viel schlechter ab als die Einheimischen. Dabei fallen die Unterschiede zwischen Einheimischen und Migranten je nach Land sehr unterschiedlich aus.

In Estland beträgt die Differenz in der Lesekompetenz 29, in Mathematik 26 und in den Naturwissenschaften 32 Punkte. Diese Differenzen entsprechen etwa dem Zugewinn in einem Schuljahr am Ende der Sekundarstufe I. Trotz dieser Differenzen liegen die Migranten in Estland in allen Bereichen über dem Durchschnitt der 35 OECD-Länder (bezogen auf die jeweilige Gesamtbevölkerung). Estland hat also durchaus leistungsfähige Migranten; sie liegen nur deshalb weit zurück, weil die einheimischen Esten Spitzenleistungen erbringen.

In Deutschland ist der Rückstand der Migranten wesentlich größer, nämlich 58 Punkte in der Lesekompetenz, 54 Punkte in Mathematik und 72 Punkte in den Naturwissenschaften. Das entspricht etwa einem Rückstand von zwei bis zweieinhalb Jahren.

Die schlechtesten Migranten hat Finnland. Der Abstand zu den einheimischen Finnen beträgt in Mathematik 63, in der Lesekompetenz und den Naturwissenschaften jeweils 83 Punkte. Das entspricht einem Rückstand von zwei bis drei Schuljahren.

In den Gesamtstichproben hatte Estland in allen drei Bereichen einen statistisch signifikanten Vorsprung vor Deutschland; Finnland schnitt in der Lesekompetenz und in den Naturwissenschaften signifikant besser ab als Deutschland und hatte auch im Mathematik einen Vorsprung von 5 Punkten, der jedoch statistisch nicht signifikant ist. Rechnet man die Minderleistungen der Migranten heraus und betrachtet nur noch die Einheimischen, so zeigen sich erhebliche Verschiebungen.

In der Gesamtstichprobe lag Estland in der Lesekompetenz 10 Punkte vor Deutschland; die einheimischen Deutschen sind jedoch um 3 Punkte besser als die einheimischen Esten. Die Relation hat sich also umgekehrt. In Mathematik ist der Vorsprung Estlands von 14 auf 4 Punkte geschmolzen. Und in den Naturwissenschaften hat sich Estlands Vorsprung von 25 auf 12 Punkte mehr als halbiert. Die Differenzen von +3 bzw. -4 Punkten liegen im Bereich der zufälligen Schwankungen. Lediglich in den Naturwissenschaften hat Estland noch einen (deutlich geschrumpften) Vorsprung.

Der Rückstand Deutschlands gegenüber Finnland hat sich in der Lesekompetenz von 15 auf 5 Punkte verringert. In Mathematik ist aus einem 5-Punkte-Rückstand ein 5-Punkte-Vorsprung geworden. Auch hier hat sich also die Rangfolge umgekehrt. In den Naturwissenschaften ist Finnlands Vorsprung von 22 auf 8 Punkte gesunken. Die 5-Punkte-Differenzen sind statistisch bedeutungslos; die 8-Punkte-Differenz liegt gerade so an der Signifikanzgrenze.

Das zentrale Ergebnis lautet:

  • Betrachtet man nur die Einheimischen, dann gibt es praktisch keine Unterschiede zwischen Deutschen, Esten und Finnen.

Erwähnenswert bleibt lediglich die 12-Punkte-Differenz zwischen Deutschen und Esten in Naturwissenschaften. Ironischerweise passt ausgerechnet dieses Ergebnis am allerwenigsten zu der These von Julia Köppe, die den Leistungsvorsprung der Esten auf die umfassende Digitalisierung der estnischen Schulen zurückführen will (2). Wie im → Teil 2 gezeigt, ist die Leistung in den Naturwissenschaften in Estland von 2012 bis 2015 von 541 auf 534 Punkte gesunken. Das spricht nicht gerade für die segensreichen Wirkungen der Digitalisierung! Und dass im gleichen Zeitraum die Leistung in Deutschland noch stärker zurückging (von 524 auf 509), ist schwerlich auf die Superdigitalisierung Estlands zurückzuführen. (Kleiner Geheimnisverrat: In Kürze werde wir sehen, dass sogar der 12-Punkte-Vorsprung in Luft dahinschmilzt.)

Was bereits bei der Betrachtung der Gesamtstichproben klar war, ist durch die Berücksichtigung der Migranten noch deutlicher geworden: Der SPIEGEL-ONLINE-Artikel von Julia Köppe ist pures Wunschdenken und Fake News.

Hier gibt es die Fortsetzung → Teil 9.


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Quellen und Anmerkungen

(1) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w
PISA 2015. Zusatzmaterialien im Internet. Anhang zu Kapitel 7. http://dx.doi.org/10.1787/888933433226

(2) Julia Köppe: Digitales Klassenzimmer. Warum Estlands Schüler den deutschen weit voraus sind. SPIEGEL ONLINE, 08. November 2017.

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Auf nach Estland! – Teil 7

Auf nach Estland!

Teil 7: Zwischenbilanz

Nun ist es an der Zeit für eine Zwischenbilanz.

Ausgangspunkt dieser Serie ist der Artikel Digitales Klassenzimmer. Warum Estlands Schüler den deutschen weit voraus sind, von Julia Köppe, der auf SPIEGEL ONLINE erschien (1). Ohne auch nur irgendeinen empirischen Beleg vorzuweisen, meint die Autorin, den Leistungsunterschied zwischen Deutschland und Estland auf die Superdigitalisierung in Estland zurückführen zu können.

Auf der Grundlage von PISA 2015 (2) haben wir im → Teil 1 zunächst einmal die Ausgangslage dargestellt. Dabei haben wir auch Finnland in die Betrachtung einbezogen, das seit jeher zur Weltspitze gehört. Deutschland gehört zwar ebenfalls zu den Spitzenländern, aber dennoch bleibt es sowohl hinter Estland als auch hinter Finnland zurück. Bei der Lesekompetenz liegt Deutschland 10 Punkte hinter Estland und 17 Punkte hinter Finnland. In Mathematik beträgt der Rückstand gegenüber Estland 14 und gegenüber Finnland 5 Punkte. In den Naturwissenschaften hat Estland einen Vorsprung von 25 und Finnland einen Vorsprung von 22 Punkten. Diese Unterschiede sind in der Tat erklärungsbedürftig.

Im → Teil 2 haben wir die Veränderungen von PISA 2006 über PISA 2009 und PISA 2012 bis PISA 2015 betrachtet (Deutschland und Finnland nehmen seit 2000 an den PISA-Studien teil, Estland erst seit 2006).
Finnland, das lange Zeit der Megasuperstar war, musste in diesem Zeitraum starke Rückgänge hinnehmen (gleichwohl gehört es immer noch zu den weltweiten Spitzenländern). Bei der Lesekompetenz beträgt der Rückgang 21, in Mathematik 37 und in den Naturwissenschaften 32 Punkte.
Völlig anders das Bild in Deutschland und Estland: Von 2006 bis 2015 hat sich die Lesekompetenz in Estland um 18 und in Deutschland um 14 Punkte verbessert. In Mathematik betrug die Steigerung in Estland 5 und in Deutschland 2 Punkte. In den Naturwissenschaften verbesserte sich Estland um drei Punkte, wohingegen sich Deutschland um 7 Punkte verschlechterte.
Berücksichtigt man die Veränderungen über die vier Messzeitpunkte, dann ist der Rückgang in Finnland in allen Bereichen statistisch signifikant; bei der Lesekompetenz beträgt er etwas weniger, in Mathematik und den Naturwissenschaften etwas mehr als der Lernzuwachs in einem Schuljahr am Ende der Sekundarstufe I. Diese Rückgänge sind durchaus bedeutsam.
Im Gegensatz dazu sind die Veränderungen in Estland und in Deutschland statistisch bedeutungslos!

Bereits an dieser Stelle ist klar, dass die These von Julia Köppe jeglicher Grundlage entbehrt. Die Veränderungen liegen in Estland und in Deutschland voll und ganz im Rahmen der zufällig zu erwartenden Schwankungen. Nach der These der Autorin hätte die Digitalisierung in Estland zu einem signifikanten und bedeutsamen Anstieg und infolgedessen zu einem bedeutsamen Auseinanderklaffen von Deutschland und Estland führen müssen. Davon kann keine Rede sein. Der Niveauunterschied zwischen Deutschland und Estland hat sich nur unwesentlich verändert. Dieser Unterschied bedarf nach wie vor einer Erklärung. Fest steht an dieser Stelle lediglich eines: An der Superdigitalisierung Estlands kann er auf keinen Fall liegen, denn sonst hätte sich Estland sehr viel günstiger entwickeln müssen als Deutschland. Der Artikel von Julia Köppe gehört ins Reich der politisch korrekten Märchen, er ist – wie man Neudeutsch sagt – nichts anderes als Fake News.

In den weiteren Folgen haben wir genau den Faktor ins Blickfeld gerückt, der sich für jeden unvoreingenommenen Beobachter als der aussichtsreichste Kandidat zu Erklärung des Niveauunterschieds anbietet, nämlich die Migranten

Fortsetzung im → Teil 8.


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Quellen und Anmerkungen

(1) Julia Köppe: Digitales Klassenzimmer. Warum Estlands Schüler den deutschen weit voraus sind. SPIEGEL ONLINE, 08. November 2017.

(2) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w
PISA 2015. Zusatzmaterialien im Internet. Anhang zu Kapitel 7. http://dx.doi.org/10.1787/888933433226

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Auf nach Estland! – Teil 6

PISA 2015 - Naturwissenschaften - Leistungsstarke und Versager nach Migrationsstatus

Auf nach Estland!

Teil 6: Estland, Finnland und Deutschland – Gute und schlechte Migranten (Fortsetzung)

In den vorangegangenen Folgen haben wir die Leistungen in PISA 2015 (1) auf der Basis der Mittelwerte betrachtet. Nun betrachten wir die Extreme des Leistungsspektrums. Dabei beschränken wir uns auf den Bereich Naturwissenschaften, der in PISA 2015 den Schwerpunkt bildete.

PISA unterscheidet sechs Kompetenzstufen. Die Stufe 2 bezeichnet das Minimalniveau, das erforderlich ist, um vollwertig am Leben einer modernen Gesellschaft teilhaben zu können. Schüler der Stufe 1, die noch nicht einmal das Minimalniveau erreichen, bezeichnen wir als Versager. Schüler, die die Stufe 5 oder 6 erreichen, bezeichnen wir als Leistungsstarke.

In Abbildung 6.1 sind die prozentualen Anteile der Versager und der Leistungsstarken nach dem Migrationsstatus aufgeschlüsselt. Versager sind rot, Leistungsstarke sind grün gekennzeichnet; Einheimische werden durch gefüllte und Migranten durch gerasterte Balken repräsentiert.

PISA 2015 - Naturwissenschaften - Leistungsstarke und Versager nach Migrationsstatus Deutschland Estland Finnland
Abbildung 6.1: PISA 2015 – Naturwissenschaften – Leistungsstarke und Versager nach Migrationsstatus.
Rot: Versager (V.)
Grün: Leistungsstarke (L.)
Fläche gefüllt: Einheimische (E.)
Fläche gerastert: Migranten (.M).

Bei den Einheimischen (gefüllte Balken) zeigen sich Unterschiede zwischen den drei Ländern vor allem bei den Versagern. Mit einer Versagerquote von 8,0 Prozent steht Estland am besten da. Finnland folgt mit 10,2 Prozent. Deutschland ist mit 11,8 Prozent Versagern am stärksten belastet. Im Vergleich zu Estland ist die Versagerquote in Finnland um 27,5 Prozent und in Deutschland sogar um 47,5 Prozent höher.

In allen drei Ländern gibt es unter den Einheimischen mehr Leistungsstarke als Versager. Mit 14,9 Prozent Leistungsstarken hat Finnland die Nase knapp vor Estland mit 14,6 Prozent. In Deutschland sind 13,5 Prozent der Einheimischen leistungsstark.

Auf 100 Leistungsstarke entfallen unter den Einheimischen in Finnland 55, in Estland 68 und in Deutschland 87 Versager.

Bei den Migranten (gerasterte Balken) sind die Relationen nicht nur umgekehrt, sondern auch sehr viel krasser. In Finnland beträgt die Versagerquote unter den Migranten 36,2 Prozent; in Deutschland sind es 33,6 Prozent. Das heißt: In beiden Ländern gehört etwas mehr als jeder Dritte zu den Versagern! Vor diesem Hintergrund steht Estland mit 13,1 Prozent migrantischen Versagern geradezu glänzend da.

Bei den migrantischen Leistungsstarken steht Estland mit 6,5 Prozent klar vor Finnland mit 4,6 Prozent. Deutschland ist mit 3,5 Prozent weit abgeschlagen. Im Vergleich zu Deutschland liegt die Quote bei den Migranten in Finnland um 31 und in Estland um 86 Prozent höher.

Auf 100 Leistungsstarke entfallen bei den Migranten in Estland 202 Versager. In Finnland sind es 787 und in Deutschland sogar 960!

Halten wir speziell für Deutschland Folgendes fest:

  • In Deutschland gehört jeder dritte Migrant zu den Versagern!
  • In Deutschland kommen bei den Einheimischen auf 100 Leistungsstarke 87 Versager. Bei den Migranten kommen auf 100 Leistungsstarke 960 Versager!

Diese Zahlen sollten eigentlich jedermann klarmachen, welche „Bereicherung“ die Migranten für Deutschland darstellen.

Die Fortsetzung gibt es im → Teil 7.


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Quellen und Anmerkungen

(1) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w
PISA 2015. Zusatzmaterialien im Internet. Anhang zu Kapitel 7. http://dx.doi.org/10.1787/888933433226

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Auf nach Estland! – Teil 5

PISA 2015 - Mathematik nach Migrationsstatus

Auf nach Estland!

Teil 5: Estland, Finnland und Deutschland – Gute und schlechte Migranten (Fortsetzung)

In den beiden vorangegangenen Folgen haben wir die Leistungen in PISA 2015 (1) in Naturwissenschaften (→ Teil 3) und der Lesekompetenz (→ Teil 4) nach dem Migrationsstatus aufgeschlüsselt.

Nun betrachten wir den Einfluss der Migranten im Fach Mathematik. Die Ergebnisse sind in Abbildung 5.1 veranschaulicht

PISA 2015 - Mathematik nach Migrationsstatus Deutschland, Estland, Finnland
Abbildung 5.1: PISA 2015 – Mathematik nach Migrationsstatus

In Mathematik zeigt sich genau dieselbe Grundsituation wie in den Naturwissenschaften und der Lesekompetenz:
(1) Zwischen den Einheimischen der drei Länder zeigen sich nur kleine Unterschiede.
(2) Die Migranten schneiden sehr viel schlechter ab als die Einheimischen.
(3) Zwischen den Migranten in den drei Ländern bestehen sehr große Unterschiede.

Im Vergleich der Einheimischen liegt Estland mit 523 Punkten nur knapp vor Deutschland (519), welches seinerseits knapp vor Finnland (514) liegt. In der Gesamtstichprobe lag Deutschland 14 Punkte hinter Estland (520 bzw. 506 Punkte), bei den Einheimischen beträgt der Abstand nur noch 4 Punkte. Damit ist die Differenz Estland minus Deutschland trotz der großen Stichproben statistisch bedeutungslos. Gleiches gilt für die Differenz Deutschland minus Finnland.

Im Vergleich der Migranten ergibt sich dieselbe Rangfolge, die Unterschiede zwischen den Ländern sind aber sehr groß. Die Migranten in Estland schneiden mit 497 Punkten besser ab als die 35 OECD-Länder im Durchschnitt (490 Punkte; bezogen auf die Gesamtbevölkerung). Ebenso wie in den Naturwissenschaften und der Lesekompetenz zeigen die Migranten in Estland auch in Mathematik ein hohes Niveau. Die Migranten in Deutschland (465 Punkte) und Finnland (451 Punkte) schneiden hingegen (sehr) viel schlechter ab.

Der Vergleich Einheimische vs. Migranten innerhalb der Länder ergibt in Estland eine Differenz von 26 Punkten; in Deutschland sind es 54 und in Finnland 64 Punkte. Zur Einordnung: In einer deutschen Studie (2) betrug der Lernzuwachs zwischen der 9. und der 10. Klasse im Fach Mathematik 25 Punkte. Der Unterschied zwischen Einheimischen und Migranten in Deutschland entspricht somit etwas mehr als zwei Schuljahren!

Das interessanteste Ergebnis bringt der Vergleich Deutschland/Finnland:

  • Betrachtet man nur die Einheimischen, dann ist Deutschland um 5 Punkte besser als Finnland.
  • Betrachtet man nur die Migranten, dann ist Deutschland sogar um 14 Punkte besser als Finnland.
  • Betrachtet man die Gesamtbevölkerung (→ Teil 1), dann ist Deutschland um 5 Punkte schlechter als Finnland!

Das mag auf den ersten Blick absurd erscheinen. Es ist dennoch kein sachlicher Fehler und auch kein Tippfehler. Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man die Migrantenquote berücksichtigt. In PISA 2015 beträgt die Migrantenquote in Deutschland 16,9 Prozent, in Finnland 4,0 Prozent. Die 4 Prozent Migranten in Finnland haben das Niveau um 3 Punkte gesenkt; die schiere Masse der Migranten in Deutschland hat das Niveau um 13 Punkte nach unten gedrückt – und damit hat sich in der Gesamtbevölkerung die Rangfolge umgekehrt.

Diese Befunde machen eindrücklich klar:

  • Eine sinnvolle Interpretation und Diskussion der PISA-Ergebnisse macht nur dann Sinn, wenn man explizit zwischen Einheimischen und Migranten differenziert.
  • Dabei ist es unverzichtbar, neben dem Leistungsniveau auch die Migrantenquote zu berücksichtigen.
Ein paar schlechte Migranten kann ein Land verkraften, eine große Masse schlechter Migranten kann ein Land ruinieren. Deutschland hat sich offenkundig für den zweiten Weg entschieden.


In der nächsten Folge beleuchten wir den außerordentlich großen Einfluss der Migranten aus einer anderen Perspektive → Teil 6.


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Quellen und Anmerkungen

(1) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w
PISA 2015. Zusatzmaterialien im Internet. Anhang zu Kapitel 7. http://dx.doi.org/10.1787/888933433226

(2) Prenzel, M. et al. (2006). PISA 2003: Untersuchungen zur Kompetenzentwicklung im Verlauf eines Schuljahres. Münster: Waxmann Verlag GmbH.

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Auf nach Estland! – Teil 4

PISA 2015 - Lesekompetenz nach Migrationsstatus

Auf nach Estland!

Teil 4: Estland, Finnland und Deutschland – Gute und schlechte Migranten (Fortsetzung)

Im vorherigen → Teil 3 haben wir anhand von PISA 2015 (1) den enormen Einfluss der Migranten in Estland, Finnland und Deutschland auf die Leistungen in den Naturwissenschaften dargestellt.

Auf der Grundlage der Zusatzmaterialien, die im Internet heruntergeladen werden können (2), können wir auch den Einfluss der Migranten in den Bereichen Lesekompetenz und Mathematik betrachten.

Abbildung 4.1 veranschaulicht die Ergebnisse zur Lesekompetenz.

PISA 2015 - Lesekompetenz nach Migrationsstatus Deutschland, Estland, Finnland
Abbildung 4.1: PISA 2015 – Lesekompetenz nach Migrationsstatus

In Abbildung 4.1 steckt ein äußerst bemerkenswertes Ergebnis. Um dies zu erkennen, muss man sich die Ausgangslage vergegenwärtigen. Im → Teil 1 haben wir gesehen: In der Gesamtbevölkerung liegt Finnland mit 526 Punkten vor Estland mit 519 und Deutschland mit 509 Punkten; das heißt: insgesamt liegt Deutschland 17 Punkte hinter Finnland und 10 Punkte hinter Estland. Betrachtet man nur die Einheimischen, dann ergibt sich ein völlig anderes Bild. Nun liegt Deutschland (526) nur noch knapp hinter Finnland (531); Deutschlands Rückstand ist von 17 auf 5 Punkte geschrumpft. Estland ist mit 523 Punkten sogar hinter Deutschland zurückgefallen – der 10-Punkte Rückstand Deutschlands hat sich in einen 3-Punkte-Vorsprung verwandelt!

Während sich die Einheimischen kaum voneinander unterscheiden, gibt es extreme Unterschiede zwischen den Migranten in den drei Ländern. Mit 494 Punkten schneiden die Migranten in Estland gut ab (der Mittelwert der 35 OECD-Länder beträgt 493 Punkte). In Deutschland zeigen die Migranten hingegen schlechte (468 Punkte) und in Finnland sehr schlechte Leistungen (448 Punkte).

Daraus ergibt sich zwischen Einheimischen und Migranten in Estland ein großer Unterschied von 29 Punkten, in Deutschland ein sehr großer (58 Punkte) und in Finnland ein gigantischer Unterschied (83 Punkte).

Durch den Einfluss der Migranten wird das Leistungsniveau der Einheimischen so stark verzerrt, dass sich in der Gesamtbevölkerung sogar Verschiebungen in der Rangordnung der drei Länder ergeben.

  • Würde man nur die Einheimischen betrachten, dann bräuchte man über die geringfügigen Unterschiede zwischen Deutschen, Esten und Finnen gar nicht zu reden. Es sind die Migranten, die das Bild gravierend verzerren!

In der nächsten Folge betrachten wir den Einfluss der Migranten auf die Leistungen in Mathematik → Teil 5.


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Quellen und Anmerkungen

(1) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w

(2) PISA 2015. Zusatzmaterialien im Internet. Anhang zu Kapitel 7. http://dx.doi.org/10.1787/888933433226

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Bildung, PISA, Estland, Finnland, Deutschland, Lesekompetenz, Migranten, Migrationshintergrund

Auf nach Estland! – Teil 3

PISA 2015 - Naturwissenschaften und Migrationsstatus

Auf nach Estland!

Teil 3: Estland, Finnland und Deutschland – Gute und schlechte Migranten

Ausgangspunkt dieser Serie ist der SPIEGEL-ONLINE-Artikel Digitales Klassenzimmer. Warum Estlands Schüler den deutschen weit voraus sind (1), in dem die Autorin Julia Köppe das hervorragende Bildungsniveau Estlands auf die digitale Ausstattung der Schulen zurückführt (→ Teil 1).

Anhand der PISA-Studien von 2006, 209, 2012 und 2015 haben wir gesehen (→ Teil 2):

  • Nichts, aber auch gar nichts spricht dafür, dass der Vorsprung Estlands gegenüber Deutschland auf die Digitalisierung der estnischen Schulen zurückzuführen ist.

Statt auf Händi, Smartboard, Internet, WLAN, 3D-Drucker und sonstigen Technik-Schnickschnack zu starren, hätte die Autorin ihren Blick besser auf einen anderen Faktor gerichtet. Jeder, der auch nur ein bisschen Ahnung von Psychologie und Bildungsforschung hat, weiß, welcher Kandidat die besten Aussichten hat, nämlich die Intelligenz der Schüler. Und jeder, der die Welt nicht durch die Brille der Political Correctness betrachtet, weiß, dass hier die Zusammensetzung der Schülerschaft im Hinblick auf den Anteil und – ganz besonders wichtig – die Herkunft der Migranten einen zentralen Faktor darstellt.

In PISA 2015 (2) betrug der prozentuale Anteil der Migranten in Deutschland 16,9 Prozent, in Estland 10,0 Prozent und in Finnland waren es 4,0 Prozent.

Welch entscheidende Rolle die Migranten spielen, wird in Abbildung 3.1 deutlich. Dort sind die Leistungen in den Naturwissenschaften (3) nach dem Migrationsstatus aufgeschlüsselt. Dabei bezeichnet ohneM die Schüler ohne Mitgrationshintergrund, Mges die Schüler mit Migrationshintergrund, M2 Migranten der zweiten und M1 Migranten der ersten Generation.

PISA 2015 - Naturwissenschaften und Migrationsstatus Deutschland, Estland, Finnland
Abbildung 3.1: PISA 2015. Leistungen in Naturwissenschaften nach Migrationsstatus
ohneM: Ohne Migrationshintergrund
Mges: Migranten insgesamt
M2: Migranten der zweiten Generation
M1: Migranten der ersten Generation

Bereits auf den ersten Blick ist unmissverständlich klar:

  • Der Migrationsstatus macht einen gewaltigen Unterschied und dieser Unterschied ist in Estland sehr viel geringer als in Deutschland oder Finnland.

Die Schüler ohne Migrationshintergrund erreichten in Estland 539, in Finnland 531 und in Deutschland 527 Punkte. In der jeweiligen Gesamtstichprobe lauteten die Werte 534, 531 und 509. Das heißt: Ohne die Migranten stünde Estland um 5 Punkte, Finnland um 4 Punkte und Deutschland um 18 Punkte besser da! In der Gesamtstichprobe beträgt der Unterschied zwischen Deutschland und Estland 25 Punkte; bei den Schülern ohne Migrationshintergrund sind es nur noch 12 Punkte. Zwischen Deutschen, Esten und Finnen ohne Migrationshintergrund sind die Differenzen überschaubar.

Zwischen den Migranten in Estland auf der einen und Deutschland und Finnland auf der anderen Seite sind die Unterschiede jedoch gigantisch.

Die Migranten in Estland erreichen 507 Punkte – das sind 14 Punkte mehr als der Durchschnitt der 35 OECD-Länder! Die Zuwanderer in Estland zeigen zwar deutlich schlechtere Leistungen als die Einheimischen, sie sind aber klar besser als die OECD-Länder oder das europäische Durchschnittsniveau.

In Deutschland und Finnland liegen die Migranten hingegen meilenweit unter dem Niveau der Einheimischen. In Deutschland beträgt die Differenz 72 Punkte; das entspricht dem Lernzuwachs von mehreren Schuljahren! (4)

In Finnland beträgt der Unterschied zwischen Einheimischen und Migranten sogar 83 Punkte! Der Vergleich Einheimische vs. Migranten fällt also in Finnland noch ungünstiger aus als in Deutschland. Oben hatten wir festgestellt, dass Finnland ohne die Migranten um 4, Deutschland ohne Migranten um 18 Punkte besser dastünde. Der scheinbare Widerspruch lässt sich leicht auflösen: Der Anteil der Migranten beträgt in Finnland 4,0 Prozent; in Deutschland ist er mit 16,9 Prozent mehr als viermal so groß. Deutschland und Finnland haben zwar beide sehr schlechte Migranten, aber in Deutschland ist die Masse der Migranten sehr viel größer als in Finnland. Folglich schlägt der negative Effekt der Migranten in Deutschland wesentlich stärker zu Buche als in Finnland.

In der nächsten Folge werden wir die entscheidende Rolle der Migranten weiter vertiefen → Teil 4.


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Quellen und Anmerkungen

(1) Julia Köppe: Digitales Klassenzimmer. Warum Estlands Schüler den deutschen weit voraus sind. SPIEGEL ONLINE, 08. November 2017.

(2) OECD (2016), PISA 2015 Ergebnisse (Band I). Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w

(3) In den PISA-Studien bildet im Wechsel jeweils ein Fach den Schwerpunkt. Im Jahr 2015 lag der Schwerpunkt auf den Naturwissenschaften. Deshalb liegen für dieses Fach sehr ausführliche Detailinformationen vor.

(4) Siehe dazu die Serie → Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 8

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Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 11

Überlappende Normalverteilungen

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten

Teil 11: Migranten – Totalversager und Spitzenkräfte (Fortsetzung)

Im → Teil 10 zur IQB-Studie 2012 (1) haben wir gesehen, dass in allen betrachteten Herkunftsgruppen der Anteil der Spitzenkräfte (sehr viel) kleiner und der Anteil der Totalversager (sehr viel) größer ist als bei den deutschen Schülern. Das ist aber nur die halbe Geschichte.

Bei den Migrantengruppen gibt es nicht nur einen (sehr viel) kleineren Prozentsatz von Spitzenkräften, die migrantischen Spitzenkräfte sind im Durchschnitt auch deutlich schlechter als die deutschen Spitzenkräfte. Und spiegelbildlich gibt es nicht nur einen (sehr viel) größeren Prozentsatz von Totalversagern unter den Migranten, die migrantischen Totalversager sind im Durchschnitt auch noch deutlich schlechter als die deutschen Totalversager.

Das mag – wenn man mit Statistik wenig vertraut ist – vielleicht überraschen, man kann es sich aber sehr leicht klarmachen.

In Abbildung 11.1 sind die überlappenden Normalverteilungen einer Gruppe A und einer Gruppe B dargestellt. C1 auf der X-Achse soll den Wert markieren oberhalb dessen die Spitzenkräfte zu finden sind; C2 markiert den Wert, unterhalb dessen die Totalversager zu finden sind.

Überlappende Normalverteilungen
Abbildung 11.1: Überlappende Normalverteilungen mit Kriterien C1 und C2.

Wie man in Abbildung 11.1 unmittelbar sieht, ist rechts vom Kriterium C1 die Fläche der Gruppe B sehr viel größer als die Fläche der Gruppe A. Wenn C1 das Kriterium für die Spitzenkräfte darstellt, dann heißt dies: Der prozentuale Anteil der Spitzenkräfte ist in Gruppe B sehr viel größer als in Gruppe A. Das ist genau das, was wir zum Beispiel aus dem Vergleich deutsche (B) vs. türkische (A) Schüler kennen.

Abbildung 11.1 zeigt darüber hinaus, dass die wenigen Spitzenkräfte aus Gruppe A sehr nahe am Kriterium C1 liegen und große Abweichungen nach rechts extrem selten sind. In Gruppe B hingegen sind sehr viel mehr größere Abweichungen nach rechts zu finden. Somit ist der Durchschnitt der Spitzenkräfte in Gruppe B viel größer als in Gruppe A. In Gruppe A gibt es zwar einige Spitzenkräfte, aber so gut wie gar keine Superspitzenkräfte. In Gruppe gibt es hingegen auch einen nennenswerten Anteil an Superspitzenkräften (und sogar einige Supersuperspitzenkräfte).

Am unteren Ende – unterhalb C2 – ergibt sich das Spiegelbild. In Gruppe A gibt es viel mehr Totalversager als in Gruppe B und die Totalversager in Gruppe A sind sehr viel schlechter als die Totalversager in Gruppe B.

Abbildung 11.1 ist übrigens eine recht passable Repräsentation der Unterschiede zwischen deutschen und türkischen Schülern, wobei den deutschen natürlich die Gruppe B und den türkischen die Gruppe A entspricht. Die praktische Folgerung daraus lautet: Es gibt unter den türkischstämmigen Migranten durchaus einige – wenngleich sehr wenige – Spitzenkräfte, aber wirklich überragende Leistungen sind von ihnen nicht zu erwarten oder zumindest sehr, sehr, sehr, sehr selten.

(Fortsetzung folgt)

Hier gibt es die Serie → Bildungsproblem Türken. Dort wird unter anderem genau die letzte Aussage detailliert belegt.


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Quellen und Anmerkungen

(1) Hans Anand Pant, Petra Stanat, Ulrich Schroeders, Alexander Roppelt, Thilo Siegle, Claudia Pöhlmann (Hrsg.): IQB-Ländervergleich 2012 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Münster: Waxmann Verlag GmbH, 2013.
Im Internet erhältlich unter https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/lv2012/Bericht

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Bildung, Mathematik, IQB, Bildungsstudie, Migranten, Migrationshintergrund, Türkei, Türken, Totalversage, Spitzenkräfte, Normalverteilung, Statistik

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 10

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten

Teil 10: Migranten – Totalversager und Spitzenkräfte (Fortsetzung)

Im → Teil 9 zur IQB-Studie 2012 haben wir die Migranten nach Herkunftsregionen differenziert und zwei extreme Leistungsgruppen betrachtet: die Totalversager und die Spitzenkräfte.

  • Als Totalversager bezeichnen wir Schüler, die noch nicht einmal die Minimalstandards für den Hauptschulabschluss schaffen (weniger als 355 Punkte).
  • Als Spitzenkräfte bezeichnen wir Schüler, die den Optimalstandard für den Mittleren Schulabschluss schaffen (mindestens 675Punkte).

Innerhalb der Herkunftsgruppen hatten wir danach unterschieden, ob ein oder beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Diese Unterscheidung geben wir nun auf und betrachten die Herkunftsregionen jeweils insgesamt (2).

Tabelle 10.1 zeigt in der Spalte TV den Prozentsatz der Totalversager und in Spalte SK den Prozentsatz der Spitzenkräfte in der jeweiligen Herkunftsgruppe. Die Spalte TV/SK zeigt das Verhältnis von Totalversagern zu Spitzenkräften, das sich durch die Division ergibt. Die Spalte M/D relativiert den Quotienten TV/SK der Migrantengruppe M auf den Quotienten der deutschen Schüler D. M/D gibt somit an, um das Wievielfache das Verhältnis Totalversager:Spitzenkräfte für die jeweilige Herkunftsregion schlechter ausfällt als für die deutschen Schüler.

TV SK TV/SK M/D
Deutsche 4,40 5,60 0,79
Polen 7,92 2,51 3,16 4,0
Ex-Sowjetunion 6,30 1,77 3,56 4,5
Ex-Jugoslawien 15,53 1,02 15,22 19,3
Türkei 17,19 0,33 52,09 65,9
Tabelle 10.1: IQB Ländervergleich 2012. Mathematik. Totalversager und Spitzenkräfte nach Herkunftsregion.
TV: Prozentsatz Totalversager
SK: Prozentsatz Spitzenkräfte
TV/SK: Verhältnis Totalversager:Spitzenkräfte
M/D: Quotient TV/SK der Migrantengruppe M dividiert durch den Quotienten TV/SK der deutschen Schüler.


Das Verhältnis Totalversager/Spitzenkräfte macht die enormen Unterschiede deutlich.

  • Bei den deutschen Schülern kommen auf eine Spitzenkraft 0,79 Totalversager – oder in ganzen Zahlen ausgedrückt: auf 100 Spitzenkräfte kommen 79 Totalversager.
  • Für Polen und die ehemalige Sowjetunion kommen auf 100 Spitzenkräfte 316 bzw. 356 Totalversager.
  • Bei den Schülern aus dem ehemaligen Jugoslawien entfallen auf 100 Spitzenkräfte 1522 Totalversager.
  • Bei den türkischen Schülern kommen auf 100 Spitzenkräfte sage und schreibe 5209 Totalversager!
  • Relativiert man die Quotienten auf die deutschen Schüler, dann ist das Verhältnis für Polen viermal, für die Ex-Sowjetunion viereinhalbmal, für Ex-Jugoslawien neunzehnmal und für die Türkei sechsundsechzigmal ungünstiger!

Alle vier Migrantengruppen leisten einen negativen Beitrag. Für Polen und die Ex-Sowjetunion ist die Schieflage noch moderat. Schüler aus dem ehemaligen Jugoslawien liegen sehr weit unter dem deutschen Niveau und die Leistungen der türkischstämmigen Schüler sind – man kann es nicht anders sagen – katastrophal.

An dieser Stelle sei noch einmal explizit darauf hingewiesen, dass die Werte in Tabelle 10.1 auf einer theoretischen Modellannahme beruhen; die empirisch erhobenen Daten stehen mir leider nicht zur Verfügung. Die Differenzen sind vermutlich nicht allzu groß. Selbst wenn das Verhältnis M/D für Ex-Jugoslawien „nur“ 10 statt 19,3 und für die Türkei „nur“ 35 statt 65,9 lauten würde, wäre dies immer noch katastrophal.

Hier geht es weiter → Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten. Teil 11: Migranten – Totalversager und Spitzenkräfte (Fortsetzung).

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Quellen und Anmerkungen

(1) Hans Anand Pant, Petra Stanat, Ulrich Schroeders, Alexander Roppelt, Thilo Siegle, Claudia Pöhlmann (Hrsg.): IQB-Ländervergleich 2012 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Münster: Waxmann Verlag GmbH, 2013.
Im Internet erhältlich unter https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/lv2012/Bericht

(2) Dabei werden die Untergruppen – ein bzw. zwei im Ausland geborene Elternteile – nach ihrer Stichprobengröße gewichtet.

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Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 9

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten

Teil 9: Migranten – Totalversager und Spitzenkräfte

Im → Teil 8 zur IQB-Studie 2012 haben wir die Migranten nach Herkunftsregionen differenziert. Dabei zeigten sich gigantische Unterschiede, die einem Leistungsunterschied von bis zu drei Schuljahren entsprechen. Mit Ausnahme der Schüler mit nur einem in der ehemaligen Sowjetunion geborenen Elternteil schnitten alle Herkunftsgruppen signifikant schlechter ab als Deutsche. Besonders schlecht schnitten Schüler mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien und der Türkei ab. Im Folgenden werden die Unterschiede zwischen den Herkunftsregionen aus einer anderen Perspektive beleuchtet.

In den IQB-Studien werden auf der Basis der kognitiven Fähigkeiten, die zur Aufgabenlösung erforderlich sind, verschiedene Kompetenzstufen und Standards definiert.

Der Regelstandard (Kompetenzstufe III) bezieht sich auf Kompetenzen, die im Durchschnitt von den Schülern bis zu einem bestimmten Bildungsabschnitt erreicht werden sollen. In der IQB-Studie 2012 ist der Bildungsabschnitt die 9. Klasse am Ende der Sekundarstufe I.

Für die folgenden Betrachtungen sind zwei andere Standards von Interesse.

Der Mindeststandard (Kompetenzstufe II) bezeichnet ein Minimum an Kompetenzen, das von allen Schülern erreicht werden soll.

Der Optimalstandard (Kompetenzstufe V) bezieht sich auf überragende Leistungen, die die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz bei Weitem übertreffen.

Am Ende der Sekundarstufe I können Schüler einen Hauptschulabschluss oder einen Mittleren Schulabschluss anstreben. Für die beiden Schulabschlüsse sind jeweils unterschiedliche Leistungen für eine bestimmte Kompetenzstufe zu erbringen.

Im Folgenden betrachten wir die beiden Extreme, nämlich den Mindeststandard für den Hauptschulabschluss und dem Optimalstandard für den Mittleren Schulabschluss.

Der Mindeststandard bezeichnet das unterste gerade noch akzeptable Minimum. Schüler, die selbst die Minimalanforderungen eines Hauptschulabschlusses verfehlen, werden im Folgenden als Totalversager bezeichnet. Die Untergrenze des gerade noch Akzeptablen liegt für Hauptschüler bei 355 Punkten.

Am anderen Extrem liegen die Schüler, die den Optimalstandard für den Mittleren Schulabschluss erreichen; diese werden im Folgenden als Spitzenkräfte bezeichnet. Um zu den Spitzenkräften zu zählen, muss ein Schüler mindestens 675 Punkte erzielen.

Auf der Grundlage der Mittelwerte und Standardabweichungen und der Annahme, dass innerhalb der jeweiligen Gruppe die Werte normalverteilt sind, habe ich für die verschiedenen Herkunftsgruppen den prozentualen Anteil der Totalversager und der Spitzenkräfte errechnet (2). Die Werte sind in Tabelle 9.1 dargestellt. Die Zahl hinter der Herkunftsgruppe bezeichnet – wie im Teil 8 – die Zahl der Elternteile, die im Ausland geboren wurden.


M

SD
Total-
versager
Spitzen-
kräfte
Ex-Sowjetunion 1 529 92 2,9 5,6
Deutsche 521 97 4,4 5,6
Polen 2 496 95 6,9 3,0
Ex-Sowjetunion 2 481 85 6,9 1,1
Polen 1 480 94 9,2 1,9
Ex-Jugoslawien 1 449 90 14,9 0,6
Ex-Jugoslawien 2 454 100 16,1 1,4
Türkei 1 441 87 16,1 0,4
Türkei 2 435 86 17,6 0,3
Tabelle 9.1: IQB 2012 Mathematik. Totalversager und Spitzenkräfte nach Herkunftsregion.
Ziffer hinter Herkunftsregion: Anzahl der im Ausland geborenen Eltern
M: Mittelwert
SD: Standardabweichung.


Schüler mit einem in der ehemaligen Sowjetunion geborenen Elternteil und deutsche Schüler schneiden mit Abstand am besten ab. Unter den Russischstämmigen stehen 2,9 Prozent Totalversagern fast doppelt so viele Spitzenkräfte gegenüber, nämlich 5,6 Prozent. Bei den Deutschen sind es 4,4 Prozent Totalversager und ebenfalls 5,6 Prozent Spitzenkräfte (3).

Polen 2 und Ex-Sowjetunion 2 haben mit 6,9 Prozent den gleichen Anteil an Totalversagern. Mit 3,0 vs. 1,1 Prozent Spitzenkräften schneiden die polnischstämmigen Schüler jedoch etwas besser ab. Für beide Gruppen ist die Gesamtbilanz negativ.

Noch ungünstiger scheidet Polen 1 ab: 9,2 Totalversagern stehen nur 1,9 Prozent Spitzenkräfte gegenüber.

Katastrophal ist das Bild für Ex-Jugoslawien und die Türkei. Der Anteil der Totalversager reicht von 14,9 bis 17,6 Prozent; der Anteil der Spitzenkräfte beträgt gerade mal 0,3 bis 1,4 Prozent.

Für die deutschen Schulen, die deutsche Wirtschaft und die deutsche Gesellschaft stellen die Schüler mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien und der Türkei eine massive Belastung dar. Eine extreme Belastung ergibt sich durch die Türkischstämmigen, unter denen der Anteil von Spitzenkräften verschwindend klein ist.

Das erschreckende Bild wird in der nächsten Folge vertieft → Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten. Teil 10: Migranten – Totalversager und Spitzenkräfte (Fortsetzung).

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Quellen und Anmerkungen

(1) Hans Anand Pant, Petra Stanat, Ulrich Schroeders, Alexander Roppelt, Thilo Siegle, Claudia Pöhlmann (Hrsg.): IQB-Ländervergleich 2012 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Münster: Waxmann Verlag GmbH, 2013.
Im Internet erhältlich unter https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/lv2012/Bericht

(2) Hierbei handelt es sich um Schätzungen auf der Basis eines theoretischen Modells. Da die Berechnungen jeweils innerhalb homogener Gruppen erfolgen, dürfte die Normalverteilungsannahme einigermaßen realistisch sein. Die Gruppen „Anderes Land“ und „Nicht zuzuordnen“ wurden nicht berücksichtigt, da diese extrem heterogen sind und die Punktwerte vermutlich deutlich von einer Normalverteilung abweichen. Wir kommen jedoch in der nächsten Folge auf sie zurück.

(3) Dass Ex-Sowjetunion 1 mit 529 Punkte besser abschneidet als Deutschland mit 521 Punkten und dennoch beide den gleichen Prozentsatz an Spitzenkräften haben, ergibt sich durch die unterschiedlichen Standardabweichungen. Das gleiche Phänomen zeigt sich bei den Paarungen Polen 2 / Ex-Sowjetunion 2 und Ex-Jugoslawien 2 / Türkei 1. Diese Beispiele machen deutlich, wie wichtig es ist, nicht nur Mittelwerte, sondern auch die Streuungen zu betrachten.

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Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 8

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten

Teil 8: Gute, weniger gute und schlechte Migranten

Im vorangegangenen Beitrag zur IQB-Studie 2012 haben wir die Migranten nach dem Zuwanderungsstatus differenziert (→ Teil 7). Nun differenzieren wir nach Herkunftsregionen.

In der Studie von 2012 waren für die Türkei, die ehemalige Sowjetunion, Polen und das ehemalige Jugoslawien ausreichend große Stichproben verfügbar. Diese wurde jeweils danach unterteilt, ob ein oder beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Mit der gleichen Unterteilung gab es die extrem heterogene Gruppe „Anderes Land“. Die nicht zuordenbaren Schüler wurden ohne Unterteilung der Gruppe „Nicht zuzuordnen“ zugeteilt. Diese Gruppen werden den Deutschen (ohne Zuwanderungshintergrund) gegenübergestellt.

In Tabelle 8.1 finden sich die Herkunftsgruppen, die Stichprobengröße (N), der Prozentsatze der gültigen Werte (%), der Mittelwert im Fach Mathematik (M), die Standardabweichung (SD) sowie das Maß der Effektstärke, Cohen’s d, für die standardisierte Mittelwertsdifferenz im Vergleich zu den Deutschen ohne Migrationshintergrund. Statistisch signifikante Unterschiede zur Vergleichsgruppe der Deutschen sind rot unterlegt.

N % M SD d
Deutsche 14166 58.7 521 97
Türkei 1 256 1.2 441 87 0.87
Türkei 2 683 3.3 435 86 0.94
Ex-Sowjetunion 1 120 0.5 529 92 –0.09
Ex-Sowjetunion 2 686 3.6 481 85 0.44
Polen 1 186 0.9 480 94 0.43
Polen 2 235 1.1 496 95 0.26
Ex-Jugoslawien 1 106 0.6 449 90 0.77
Ex-Jugoslawien 2 119 0.6 454 100 0.68
Anderes Land 1 1110 5.4 501 98 0.21
Anderes Land 2 988 4.3 467 101 0.54
Nicht zuzuordnen 6054 19.7 466 97 0.57
Tabelle 8.1: IQB 2012 Mathematik. Leistungen nach Herkunftsregion.
Ziffer hinter Herkunftsregion: Anzahl der im Ausland geborenen Eltern
N: Anzahl Schüler
%: gültige Prozent
M: Mittelwert
SD: Standardabweichung
d: Standardisierte Mittelwertsdifferenz – Cohen’s d – bezogen auf Schüler ohne Migrationshintergrund
Rot unterlegt: Signifikant schlechter als Schüler ohne Migrationshintergrund


Die rot unterlegten Felder zeigen: Mit Ausnahme der Schüler mit einem in der ehemaligen Sowjetunion geborenen Elternteil schneiden alle Gruppen signifikant schlechter ab als die deutschen Schüler. Die Unterschiede sind zum Teil gigantisch.

  • Zur Erinnerung: Im Fach Mathematik liegt der Lernzuwachs in einem Schuljahr am Ende der Sekundarstufe I etwa bei 25 bis 30 Punkten.

Am schlechtesten schneidet die Türkei ab; dabei spielt es kaum eine Rolle, ob ein oder beide Elternteile in der Türkei geboren wurden. Der Abstand zu den Deutschen beträgt 80 bzw. 86 Punkte. Das entspricht einem Defizit von drei Schuljahren!

Schüler mit zwei in der ehemaligen Sowjetunion geborenen Eltern zeigen ein Defizit von 40 Punkten; das entspricht einem Rückstand von etwa anderthalb Schuljahren. Demgegenüber zeigen Schüler mit nur einem in der ehemaligen Sowjetunion geborenen Elternteil sogar einen leichten Vorteil gegenüber Deutschen; die Differenz von 9 Punkten ist aber statistisch bedeutungslos.

Polnischstämmige weisen einen Rückstand von etwa einem bis anderthalb Schuljahren auf.

Schüler mit der Herkunft aus dem ehemaligen Jugoslawien schneiden fast genauso schlecht ab wie türkischstämmige. Der Rückstand beträgt etwas weniger als drei Schuljahre. Wurden beide Eltern im Ausland geboren, schneiden die Schüler ein wenig besser ab.

Die Gruppe „Anderes Land“ hat eine extrem heterogene Zusammensetzung. Hier macht es einen Unterschied, ob ein oder beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Wurden beide im Ausland geboren, beträgt der Rückstand mehr als zwei Jahre; wurde nur ein Elternteil im Ausland geboren, dann beträgt der Rückstand weniger als ein Jahr. Zur letzten Gruppe gehören insbesondere auch die Schüler mit einem deutschstämmigen und einem ausländischen Elternteil; hier handelt es sich also um „halbdeutsche Mischlinge“.

Die sehr große Gruppe „Nicht zuzuordnen“ weist mit Sicherheit ebenfalls eine extrem heterogene Zusammensetzung auf. Ihr Rückstand beträgt etwa zwei Schuljahre.

Die Unterschiede entsprechen genau dem, was aus der psychometrischen Intelligenzforschung seit Jahrzehnten bekannt ist und durch zahlreiche groß angelegte nationale und internationale Studien immer wieder bestätigt wurde. Die Türkei und die Länder des ehemaligen Jugoslawien sind Niedrig-Intelligenzländer (siehe → Europäische Geographie der Intelligenz); dementsprechend ist zu erwarten, dass die Migranten aus dieser Region deutlich schlechter abschneiden als Deutsche. Polen und weite Teile der ehemaligen Sowjetunion zeigen ähnliche IQ-Werte wie Deutschland; dementsprechend sind die Differenzen deutlich geringer.

Im nächsten Beitrag werden wir die herausragende Bedeutung der Herkunftsregion aus einer anderen Perspektive vertiefen → Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten. Teil 9: Migranten – Totalversager und Spitzenkräfte.

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Quellen und Anmerkungen

(1) Hans Anand Pant, Petra Stanat, Ulrich Schroeders, Alexander Roppelt, Thilo Siegle, Claudia Pöhlmann (Hrsg.): IQB-Ländervergleich 2012 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Münster: Waxmann Verlag GmbH, 2013.
Im Internet erhältlich unter https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/lv2012/Bericht

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Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 7


Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten

Teil 7: Solche und solche Migranten

Zentrales Thema des IQB-Ländervergleichs 2012 (1) sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern im Hinblick auf das schulische Leistungsniveau am Ende der Sekundarstufe I. Die drei vorangegangenen Folgen (→ Teil 4Teil 5Teil 6) haben klar gemacht, dass Vergleiche zwischen den Bundesländern nur dann Sinn machen, wenn die Leistungen der Migranten explizit berücksichtigt werden. Wo dies nicht geschieht – dies ist leider in aller Regel der Fall –, sind Diskussionen sinnlos.

Migranten sind alles andere als eine homogene Gruppe. Daher ist es erforderlich, zwischen verschiedenen Migrantengruppen zu differenzieren.

Die Bildungsstudien des IQB differenzieren nach Zuwanderungsstatus und nach Herkunftsgruppen.

Im Hinblick auf den Zuwanderungsstatus wird wie folgt unterschieden:

  • Schüler ohne Zuwanderungshintergrund: Beide Eltern sind in Deutschland geboren.
  • Schüler mit einem im Ausland geborenen Elternteil: Ein Elternteil ist im Ausland, das andere in Deutschland geboren.
  • Schüler der 2. Zuwanderungsgeneration: Beide Eltern sind im Ausland, der Schüler in Deutschland geboren.
  • Schüler der 1. Zuwanderungsgeneration: Beide Eltern und der Schüler sind im Ausland geboren.

Dass bei dieser Gruppierung einige kuriose Fälle resultieren, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Erwähnt werden muss aber: Deutschlandweit wurden knapp 20 Prozent der Schüler aufgrund fehlender oder unvollständiger Angaben als „Nicht zuzuordnen“ klassifiziert; und in einigen Bundesländern bildeten die Nichtzuzuordnenden sogar die größte Gruppe, so dass die Ergebnisse nur mit Vorbehalt zu interpretieren sind: Bremen 53,1%, Saarland 49,9%, Berlin 46,6%. Hier wird die Bildungsforschung unter dem Deckmantel Datenschutz ad absurdum geführt.

Da im Jahr 2012 (also vor der Masseninvasion seit 2015) nur wenige Schüler der 1. Generation angehörten, wurden die 1. und die 2. Generation zusammengefasst zur Gruppe „Beide Eltern im Ausland geboren“.

Deutschlandweit waren (auf Basis der verwertbaren Angaben) 73,1 Prozent der Schüler ohne Zuwanderungshintergrund, 10,7 Prozent hatten ein im Ausland geborenes Elternteil, bei 16,2 Prozent waren beide Eltern im Ausland geboren.

Die Punktwerte im Fach Mathematik lauteten:

  • Ohne Zuwanderungshintergrund: 521
  • Ein Elternteil im Ausland geboren: 488
  • Beide Eltern im Ausland geboren: 465

Beide Migrantengruppen schnitten signifikant schlechter ab als die deutschen Schüler.

Bei den Schülern mit einem im Ausland geborenen Elternteil beträgt die Differenz 33 Punkte. Das ist mehr als der Lernzuwachs in einem Schuljahr. Die Mittelwertsdifferenz beträgt 0,33 Standardabweichungseinheiten (das entspricht dem Effektstärkemaß Cohen’s d).

Schüler, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden, weisen ein Defizit von 56 Punkten auf. Das entspricht einem Rückstand von zwei Schuljahren. Die Effektstärke d beträgt 0,59.

Wie bereits gesehen, schnitten in jedem einzelnen Bundesland die Migranten schlechter ab als die Deutschen. Darüber hinaus schnitten in den Bundesländern Schüler mit zwei im Ausland geborenen Eltern schlechter ab als Schüler mit einem im Ausland geborenen Elternteil (in einigen Fällen war diese Differenz nicht sehr groß; in den ostdeutschen Flächenländern und in Schleswig-Holstein wurde aufgrund der „niedrigen“ Migrantenzahl nicht zwischen diesen beiden Gruppen differenziert).

Auch wenn die Kategorie „Ein Elternteil im Ausland geboren“ teilweise kurios anmutet (2), macht die Differenzierung „ein vs. beide Elternteile im Ausland geboren“ einen erheblichen Unterschied.

Wesentlich aufschlussreicher ist jedoch die Differenzierung nach der Herkunftsregion, die wir in der Fortsetzung betrachten → Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten. Teil 8: Gute, weniger gute und schlechte Migranten.

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Quellen und Anmerkungen

(1) Hans Anand Pant, Petra Stanat, Ulrich Schroeders, Alexander Roppelt, Thilo Siegle, Claudia Pöhlmann (Hrsg.): IQB-Ländervergleich 2012 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Münster: Waxmann Verlag GmbH, 2013.
Im Internet erhältlich unter https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/lv2012/Bericht

(2) Zu „Ein Elternteil im Ausland geboren“ gehören zum Beispiel das Kind einer deutschen Frau, die einen Engländer geheiratet hat, sowie das Kind eines ein Deutschland geborenen Nigerianers und einer in Nigeria geborenen Frau.

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Stichwörter:
Bildung, Mathematik, IQB, Bildungsstudie, Bundesland, Schulleistungen, 2012, Migranten, Migrationshintergrund

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 6

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten

Teil 6: Die deutsche Bildungslandschaft mit und ohne Migranten

Ausgangspunkt dieser Serie zum IQB-Ländervergleich 2012 (1) war der enorme Leistungsvorsprung der ostdeutschen Flächenländer im Fach Mathematik. In der vorangegangenen Folge (→ Teil 5) haben wir festgestellt:

  • Betrachtet man nur die Schüler ohne Migrationshintergrund, dann löst sich der Vorsprung der ostdeutschen Flächenländer in Luft auf. Das eklatante Ost-West-Gefälle beruht einzig und allein auf der unterschiedlichen Anzahl und der Zusammensetzung der Migranten in den verschiedenen Bundesländern.

Die zentrale Rolle der Migranten wollen wir nun anhand der bereits bekannten Tabelle 6.1 näher beleuchten. Der Einfachheit halber werde ich Schüler ohne Migrationshintergrund als Deutsche und Schüler mit Migrationshintergrund als Migranten bezeichnen.

Schüler insgesamt ||| Ohne Migrationshintergrund
Sachsen 536 549 Sachsen
Thüringen 521 543 Bayern
Brandenburg 518 530 Bremen
Bayern 517 529 Hamburg
Sachsen-Anhalt 513 528 Thüringen
Mecklenburg-Vorpommern 505 526 Saarland
Rheinland-Pfalz 503 525 Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein 502 524 Brandenburg
Baden-Württemberg 500 524 Berlin
Hessen 495 521 Rheinland-Pfalz
Niedersachsen 495 518 Baden-Württemberg
Hamburg 489 517 Sachsen-Anhalt
Saarland 489 516 Hessen
Nordrhein-Westfalen 486 512 Mecklenburg-Vorpommern
Berlin 479 512 Nordrhein-Westfalen
Bremen 471 503 Niedersachsen
Deutschland 500 521 Deutschland
Tabelle 6.1: IQB Ländervergleich 2012. Leistungen in Mathematik.
Linke Tabellenhälfte: Gesamte Schülerschaft
Rechte Tabellenhälfte: Schüler ohne Migrationshintergrund.
Grün hervorgehoben: Ostdeutsche Flächenländer.


Zur Einordnung der folgenden Betrachtungen sei eine wichtige Information vorausgeschickt:

  • Im Fach Mathematik liegt der Lernzuwachs in einem Schuljahr am Ende der Sekundarstufe I etwa bei 25 bis 30 Punkten.

In der Gesamtstichprobe zeigen sich enorme Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die Werte reichen von 471 bis 536, die Spannbreite beträgt somit 65 Punkte. Bei den deutschen Schülern reichen die Werte von 503 bis 549, die Spannbreite beträgt 46 Punkte. Die Varianz zwischen den Bundesländern beträgt in der Gesamtstichprobe 287, bei den Deutschen nur noch 130. Das heißt:

  • Ein erheblicher Teil der Unterschiede zwischen den Bundesländern ist auf die Migranten zurückzuführen.

Selbstverständlich sind die Migranten nicht „an allem schuld“.

Wie erwähnt, beträgt die Spannbreite innerhalb der deutschen Teilstichprobe 46 Punkte. Zwischen den Deutschen in Sachsen und den Deutschen in Niedersachsen klafft somit eine Lücke von etwa anderthalb Schuljahren. Blendet man jedoch die Spitzenreiter Sachsen und Bayern sowie das Schlusslicht Niedersachsen aus, dann schrumpft die Spannbreite auf 18 Punkte. Die meisten Bundesländer unterscheiden sich also nur sehr wenig voneinander – sobald man die Migranten herausnimmt.

In allen Bundesländern schneiden die Deutschen besser ab als die Gesamtgruppe. In den ostdeutschen Flächenländern ist – dank der niedrigen Migrantenquote – die Differenz sehr klein: Sachsen-Anhalt 4, Brandenburg 6, Thüringen 7, Mecklenburg-Vorpommern 7 und Sachsen 13 Punkte. Am anderen Extrem finden sich die drei Stadtstaaten, die unter einer sehr hohen Migrantenquote leiden: Hamburg 40, Berlin 45 und Bremen 59 Punkte.

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich Berlin – Brandenburg: Berlin ist bekanntlich eine Insel in Brandenburg. In der Gesamtstichprobe lag Brandenburg mit 518 Punkten auf Rang 3, Berlin mit 479 Punkten auf Rang 15. In der deutschen Teilstichprobe liegen Berlin und Brandenburg mit 524 exakt gleichauf und teilen sich gemeinsam den Rangplatz 8,5. Zwischen den deutschen Schülern in Berlin und Brandenburg gibt es also nicht den geringsten Unterschied. Die wenigen Migranten in Brandenburg haben den Schnitt um 6 Punkte gedrückt, die vielen Migranten in Berlin haben das Ergebnis um 45 Punkte nach unten gezogen!

  • Für die gravierenden Unterschiede im Gesamtergebnis zwischen Brandenburg und Berlin lassen sich weder die Lehrer noch die Schulen noch die Schulpolitik verantwortlich machen. Die Differenzen ergeben sich einzig und allein durch die Migranten. Es sind nicht die Lehrer, es sind nicht nicht die Schulen und es ist auch nicht die Schulpolitik – es sind die Schüler, genauer: es sind die Migranten, die Berlin so viel schlechter machen als Brandenburg.

Als Fazit halten wir fest:

  • Diskussionen über unterschiedliche Schulleistungen in den Bundesländern sind völlig wertlos, wenn man nicht explizit zwischen Deutschen und Migranten (sowie zwischen verschiedenen Migrantengruppen) differenziert – aber genau diese Differenzierung ist im öffentlichen Diskurs so gut wie nie der Fall.

Hier gibt es die Fortsetzung → Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten. Teil 7: Solche und solche Migranten.

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Quellen und Anmerkungen

(1) Hans Anand Pant, Petra Stanat, Ulrich Schroeders, Alexander Roppelt, Thilo Siegle, Claudia Pöhlmann (Hrsg.): IQB-Ländervergleich 2012 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Münster: Waxmann Verlag GmbH, 2013.
Im Internet erhältlich unter https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/lv2012/Bericht

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Bildung, Mathematik, IQB, Bildungsstudie, Bundesland, Schulleistungen, 2012, Migranten, Migrationshintergrund

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 5

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten

Teil 5: Das Elend mit den Migranten

Die vorangegangenen Folgen zum IQB-Ländervergleich 2012 (1) haben gezeigt:

  • Die Mathematikleistungen in den ostdeutschen Flächenländern fallen sehr viel besser aus als im übrigen Deutschland (→ Teil 1).
  • In den ostdeutschen Flächenländern ist der Frauenanteil in der Lehrerschaft sehr viel größer als in den anderen Bundesländern (→ Teil 2).
  • Die Lehrer in den ostdeutschen Flächenländern sind sehr viel älter als im übrigen Bundesgebiet (→ Teil 3).
  • In den ostdeutschen Flächenländern ist der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund sehr viel kleiner als im übrigen Bundesgebiet (→ Teil 4).

In einem Satz:

  • Geschlecht und Alter der Lehrer korrelieren positiv und die Migrantenquote korreliert negativ mit den Schulleistungen.

Die zentrale Frage lautet: Welche der drei Variablen – wenn überhaupt – trägt zu einem wesentlichen Teil ursächlich zu den Leistungsunterschieden bei?

Die Vorstellung, dass ältere, erfahrene Lehrerinnen entscheidend für die guten Leistungen in den ostdeutschen Flächenländern verantwortlich sind, mag bei politisch korrekten Bildungs“experten“, Femininistinnen und Dschänderforsch_xlsbq*?% ein erfreutes Echo finden. Gleichwohl ist diese Vorstellung purer Nonsens. Dies wird bereits anhand der folgenden Betrachtungen deutlich werden; in einer späteren Folge werden wir das Märchen von den erfahrenen älteren Lehrerinnen ausführlicher betrachten.

Im Gegensatz zu den Lehrermerkmalen Geschlecht und Alter ist das Schülermerkmal Migrationshintergrund ein aussichtsreicher Kandidat für eine relevante Kausalursache.

In Tabelle 5.1 finden sich in der linken Hälfte die Leistungen der gesamten Schülerschaft, die bereits aus den bisherigen Folgen bekannt sind. In der rechten Hälfte finden sich die Leistungen der Schüler ohne Migrationshintergrund. Die beiden Tabellenhälften sind jeweils in absteigender Rangfolge geordnet.

Schüler insgesamt ||| Ohne Migrationshintergrund
Sachsen 536 549 Sachsen
Thüringen 521 543 Bayern
Brandenburg 518 530 Bremen
Bayern 517 529 Hamburg
Sachsen-Anhalt 513 528 Thüringen
Mecklenburg-Vorpommern 505 526 Saarland
Rheinland-Pfalz 503 525 Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein 502 524 Brandenburg
Baden-Württemberg 500 524 Berlin
Hessen 495 521 Rheinland-Pfalz
Niedersachsen 495 518 Baden-Württemberg
Hamburg 489 517 Sachsen-Anhalt
Saarland 489 516 Hessen
Nordrhein-Westfalen 486 512 Mecklenburg-Vorpommern
Berlin 479 512 Nordrhein-Westfalen
Bremen 471 503 Niedersachsen
Deutschland 500 521 Deutschland
Tabelle 5.1: IQB Ländervergleich 2012. Leistungen in Mathematik.
Linke Tabellenhälfte: Gesamte Schülerschaft
Rechte Tabellenhälfte: Schüler ohne Migrationshintergrund.
Grün hervorgehoben: Ostdeutsche Flächenländer.


Die linke und die rechte Hälfte der Tabelle 5.1 zeigen zwei völlig unterschiedliche Welten.

In der Gesamtstichprobe lag der Mittelwert für Deutschland bei 500; bei den Deutschen ohne Migrationshintergrund beträgt er 521.

In jedem einzelnen Bundesland schneiden die Deutschen ohne Migrationshintergrund deutlich besser ab als die Gesamtstichprobe. Folglich zeigen die Migranten in allen Bundesländern (sehr) viel schlechtere Leistungen als die Deutschen.

Die ostdeutschen Flächenländer belegten in der Gesamtstichprobe die Rangplätze 1, 2, 3, 5 und 6 – betrachtet man nur die Deutschen ohne Migrationshintergrund, dann lauten die Rangplätze 1, 5, 8,5, 12 und 14,5. Der Leistungsvorteil der ostdeutschen Flächenländer hat sich mir nichts dir nichts in Luft aufgelöst! Er war einzig und allein der Tatsache zu verdanken, dass dort der Migrantenanteil sehr viel niedriger ist als im übrigen Bundesgebiet. Damit ist auch klar, dass das Geschlecht und das Alter der Lehrer keinerlei substanziellen Beitrag zum herausragenden Abschneiden der ostdeutschen Flächenländer leisten.

Nimmt man die Migranten heraus, dann schießen einige andere Bundesländer raketenartig nach oben: Das Saarland von Platz 13 auf Platz 6, Hamburg von Platz 12 auf Platz 4 und Bremen, das sonst immer und überall die Rote Laterne trägt, von Rang 16 auf Rang 3! (Es ist aber anzumerken, dass in diesen Ländern sehr viele Angaben zum Migrationshintergrund fehlen, so dass deren Werte nur mit Vorbehalt zu genießen sind.)

In der nächsten Folge wird das katastrophale Leistungsniveau der Migranten näher betrachtet → Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten. Teil 6: Die deutsche Bildungslandschaft mit und ohne Migranten.

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Quellen und Anmerkungen

(1) Hans Anand Pant, Petra Stanat, Ulrich Schroeders, Alexander Roppelt, Thilo Siegle, Claudia Pöhlmann (Hrsg.): IQB-Ländervergleich 2012 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Münster: Waxmann Verlag GmbH, 2013.
Im Internet erhältlich unter https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/lv2012/Bericht

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Bildung, Mathematik, IQB, Bildungsstudie, Bundesland, Schulleistungen, 2012, Geschlecht, Alter, Migranten, Migrationshintergrund

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 4

Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten

Teil 4: Die Sache mit den Migranten

Der IQB-Ländervergleich 2012 (1) hat gezeigt:

  • Die Mathematikleistungen in den ostdeutschen Flächenländern fallen sehr viel besser aus als im übrigen Deutschland (→ Teil 1; siehe unten, Tabelle 4.1, Spalte 2).
  • In den ostdeutschen Flächenländern ist der Frauenanteil in der Lehrerschaft sehr viel größer als in den anderen Bundesländern (→ Teil 2; siehe unten, Tabelle 4.1, Spalte 3).
  • Die Lehrer in den ostdeutschen Flächenländern sind sehr viel älter als im übrigen Bundesgebiet (→ Teil 3; siehe unten, Tabelle 4.1, Spalte 4).

In Tabelle 4.1 wird eine weitere Variable berücksichtigt, nämlich der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund, der in der letzten Spalte (%Migranten) dargestellt ist (2).

In einigen Bundesländern – insbesondere in Berlin, Bremen und Saarland – war der Anteil der fehlenden Werte so groß, dass die Daten nur mit Vorbehalt zu interpretieren sind. Für die folgenden Betrachtungen dürfte dies allerdings keine wesentliche Rolle spielen. Es sei ferner daran erinnert, dass die Untersuchung im Jahr 2012 stattfand und dass der Anteil der Migranten seither dramatisch nach oben geschnellt ist, so dass die Zahlen von damals eine Welt widerspiegeln, die unwiederbringlich verloren ist.


Lehrer
Mathe %Frauen 40+ %Migranten
Sachsen 536 73,1 97,0 9,9
Thüringen 521 80,7 98,2 7,7
Brandenburg 518 72,6 97,3 8,1
Bayern 517 38,2 55,1 24,5
Sachsen-Anhalt 513 82,1 100,0 6,8
Mecklenburg-Vorpommern 505 77,2 94,6 7,8
Rheinland-Pfalz 503 46,2 64,1 24,9
Schleswig-Holstein 502 45,7 68,8 17,0
Baden-Württemberg 500 29,3 70,7 28,7
Hessen 495 47,8 65,4 35,9
Niedersachsen 495 53,8 69,6 22,6
Hamburg 489 45,0 61,7 43,2
Saarland 489 36,0 61,8 20,3
Nordrhein-Westfalen 486 45,5 69,9 33,2
Berlin 479 53,8 85,3 36,7
Bremen 471 39,1 74,6 39,2
Deutschland 500 55,2 77,5 26,4
Tabelle 4.1: IQB Ländervergleich 2012. Leistungen in Mathematik; Anteil der Frauen an der Lehrerschaft; Anteil der mindestens 40-jährigen Lehrer; Migrantenquote.
Grün hervorgehoben: Ostdeutsche Flächenländer.


Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund betrug in der IQB-Studie von 2012 „nur“ 26,4 Prozent. (In der neuesten IQB-Studie von 2016 lag die Migrantenquote bei 34 Prozent, wobei die Kinder, die mit der Masseninvasion ab 2015 ins Land strömten, gar nicht berücksichtigt wurden.)

Die ostdeutschen Flächenländer hatten in dieser Hinsicht mit großem Abstand die günstigsten Bedingungen – hier betrug der Migrantenanteil 6,8 (Sachsen-Anhalt) bis 9,9 Prozent (Sachsen).

Im übrigen Bundesgebiet reichte die Migrantenquote von 17,0 (Schleswig-Holstein) bis 43,2 (Hamburg).

Über alle Bundesländer hinweg zeigt sich ein außerordentlich enger negativer Zusammenhang zwischen Mitgrantenquote und der Schulleistung in Mathematik.

  • Je höher der Migrantenanteil in einem Bundesland desto schlechter ist der Leistungsstand der Schüler.

Die Korrelation beträgt -0.78, etwas mehr als 60 Prozent der Varianz zwischen den Bundesländern wird durch die Migrantenquote aufgeklärt.

Somit zeichnen sich die ostdeutschen Flächenländer im Vergleich zu den übrigen Bundesländern durch folgende Merkmale aus:

  • Die Schulleistungen in Mathematik sind sehr viel besser.
  • Der Frauenanteil am Lehrkörper ist sehr viel höher.
  • Die Lehrer sind sehr viel älter.
  • Die Migrantenquote ist sehr viel kleiner.

In den weiteren Folgen ist zu klären, welche der drei Variablen – Geschlecht der Lehrer, Alter der Lehrer, Migrantenquote – sich ursächlich auf die Schülerleistung auswirken und welche Zusammenhänge lediglich Scheinkorrelationen darstellen.

Antworten gibt es in der Fortsetzung → Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten. Teil 5: Das Elend mit den Migranten.

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Quellen und Anmerkungen

(1) Hans Anand Pant, Petra Stanat, Ulrich Schroeders, Alexander Roppelt, Thilo Siegle, Claudia Pöhlmann (Hrsg.): IQB-Ländervergleich 2012 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Münster: Waxmann Verlag GmbH, 2013.
Im Internet erhältlich unter https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/lv2012/Bericht

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Bildung, Mathematik, IQB, Bildungsstudie, Bundesland, Schulleistungen, 2012, Frauen, Lehrer, Lehrerinnen, Mathematiklehrerinnen, Geschlecht, Alter, Migranten, Migrationshintergrund, Migrantenquote