Intelligenz Erblichkeit Prozentwerte

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Intelligenz Erblichkeit Prozentwerte

Intelligenz, Erblichkeit, Prozentwerte und Dummheit in der öffentlichen Diskussion

Der folgende Beitrag ist schon etliche Jahre alt. Er wurde im Zusammenhang mit der Diskussion um Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ verfasst.

In der Sarrazin-Debatte wird zurzeit ein Thema diskutiert, das in der Tat einige Aufmerksamkeit verdient. Ich meine die Aussage „Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent erblich bedingt.“

Gehen wir der Einfachheit halber mal von der Aussage „Intelligenz ist zu 60 Prozent erblich“ aus. Vermutlich haben viele, die diese Aussage hören, ungefähr folgende Vorstellung:
Wenn ich die Intelligenz einer Person mit einem Kilo Butter gleichsetze, dann würde eine Erblichkeit von 60 Prozent bedeuten: 600 Gramm sind vererbt, also durch die Gene bestimmt und damit unveränderbar – und 400 Gramm sind durch die Umwelt bestimmt, also veränderbar.

Diese Vorstellung von Erblichkeit der Intelligenz ist völlig falsch. Sie hat nichts, aber auch gar nichts mit dem wissenschaftlichen Konzept von Erblichkeit zu tun! Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies einfach nur absurder Unsinn!

Das wissenschaftliche Konzept der Erblichkeit (Heritabilität) bezieht sich überhaupt nicht auf die Intelligenz einer einzelnen Person. Erblichkeit (Heritabilität) bezieht sich immer auf Personengruppen.

Wenn man in einer Gruppe die Intelligenz der einzelnen Mitglieder misst, dann wird man feststellen, dass sich die einzelnen Personen in ihrer Intelligenz voneinander unterscheiden.
Das Ausmaß der Unterschiede kann man messen. Hierfür benutzt man in aller Regel das statistische Konzept der Varianz. Die Unterschiede zwischen den Personen (die Varianz) können einerseits auf genetische Faktoren (also Vererbung) zurückgehen, andererseits auf Umweltfaktoren. Darüber herrscht im Grunde keinerlei Dissens. Die Frage lautet: Welcher Anteil (wie viel Prozent) der Unterschiede lässt sich auf genetische Faktoren zurückführen und welcher Anteil (wie viel Prozent) auf Umweltfaktoren. Das ist eine sehr diffizile Fragestellung, für die äußerst komplexe statistische Methoden entwickelt wurden. Zu dieser Frage wurden Hunderte und Aberhunderte wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Selbstverständlich wurden dabei unterschiedliche Prozentanteile für den Einfluss genetischer Faktoren und Umweltfaktoren gefunden.
Aber alle Untersuchungen zeigen:
1. Es gibt einen genetischen Einfluss auf die Intelligenz
2. Zumeist ist der genetische Einfluss (deutlich) größer als der Einfluss der Umweltfaktoren.

Die Intelligenzforschung lässt keinerlei Zweifel: Die Intelligenzunterschiede zwischen Personen haben eine genetische Basis.

Wichtig ist: Es geht hier nicht um die Intelligenz einer einzelnen Person, sondern immer um Unterschiede zwischen Mitgliedern einer Personengruppe.

Daraus ergibt sich eine wichtige Folgerung: Die Erblichkeit (Heritabilität) hat gar keine feste Prozentzahl – der konkrete Wert wird immer auch davon abhängen, welche Personengruppe untersucht wurde.

Im Extremfall könnten sich folgende Situationen ergeben:

Wenn alle Menschen exakt den gleichen Umweltbedingungen ausgesetzt würden, dann wäre der Einfluss der Umwelt gleich 0 Prozent und alle Unterschiede wären ausschließlich auf genetische Ursachen zurückzuführen. Das heißt: In diesem Falle wäre die Erblichkeit gleich 100 Prozent!

Wenn alle Menschen genetisch identische Klone wären, dann wäre der Einfluss der Erbanlagen gleich 0 Prozent und alle Unterschiede wären auf Umweltfaktoren zurückzuführen.

In allen anderen Fällen liegen die Anteile von Erbe und Umwelt irgendwo dazwischen. Das heißt: In allen realistischen Situationen muss es zwangsläufig einen Einfluss von genetischen Faktoren geben.

Wer den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Erblichkeit grundsätzlich bestreitet, ist nicht wert, dass man sich mit ihm auseinandersetzt.
Diese These ist einfach nur idiotisch!

Es ist kaum zu fassen, dass sich nahezu alle führenden Politiker vom Bundespräsidenten Christian Wulff über die Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Vorsitzenden und Führungskader aller Parteien – CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP – in einer megagroßen Koalition der Dummheit und Anti-Wissenschaflichkeit zusammenrotten und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung abschaffen wollen. Hier legt unsere politische Führungsriege nicht nur eine unglaubliche Dummheit an den Tag, hier zeigt sie auch ganz offen, dass sie die demokratischen Grundrechte mit Füßen tritt.

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Stichwörter:
Intelligenz, Erblichkeit, Sarrazin

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Buchtipp: The Neuroscience of Intelligence

The Neuroscience of Intelligence

Ein Buchtipp

Ich lese gerade ein ganz hervorragendes Buch:

Richard D. Haier (2017). The Neuroscience of Intelligence. New York: Cambridge Universitiy Press.

Das Buch macht deutlich, wie weit Genetik und Neurowissenschaften in der Erforschung der biologischen Grundlagen fortgeschritten und wie lächerlich die antifaktischen kulturdeterministischen Ideologien vor dem Hintergrund der psychologischen und biologischen Intelligenzforschung sind.

Hier will ich lediglich eine Randbemerkung aus dem Buch zitieren: „… genetic studies are logistically complex and expensive, especially when large samples are involved. DNA sequencing machines alone, for example, cost about $1-2 million each. Reportedly, in 2012 a single research institute in China, The Behavioral Genetics Institute, had 128 of them, along with super computers. Finding intelligence genes is a high priority. This one institute has over 4,000 scientists and technicians working there and a poster on the wall reportedly says: ‘Genes build the future’ … At the end of the twentieth century, Plomin (1999) stated, ‘The most far-reaching implications for science, and perhaps for society, will come from identifying genes responsible for the heritability of g …’ One the one hand, China has substantial investment in this hunt, and on the other hand, a majority of members currently in the US Congress apparently do not believe in evolution.” (S.65)

Nun ja, in den USA gibt es trotz alledem noch Forschung zu Intelligenz, Genetik und Neurowissenschaften.

In Deutschland ist Intelligenzforschung immer noch tabu. Hierzulande ist man immer noch der Meinung, alle Menschen würden mit leeren Köpfen geboren und die Schulen und „die Gesellschaft“ müssten die Intelligenz in die Hohlräume füllen.

Statt in zukunftsrelevante Forschung zu investieren, importiert Deutschland Millionen Analphabeten aus Arabien und Schwarzafrika, die den Steuerzahler Hunderte Milliarden kosten und das Intelligenzniveau drastisch senken. Die Chinesen lachen sich über so viel Dummheit kaputt.

Anmerkung: In dem Buch geht es um Forschungsmethoden und Forschungsergebnisse. Die unglaubliche Dummheit von Forschungspolitik und politisch bornierten Ideologen kommt nur am Rande zur Sprache.

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Stichwörter:
Migranten, Intelligenz, Politik, Deutschland, USA, China, Forschung, Forschungspolitik, Intelligenzforschung, Genetik, Neurowissenschaften, Psychologie

Die Entwicklung der Körpergröße weltweit 1896 bis 1996

Daten zur Körpergröße

Teil 4: Die Entwicklung der Körpergröße weltweit 1896 bis 1996

Anhand der Daten der NCD Risk Factor Collaboration (1) habe ich in den ersten drei Teilen die Entwicklung der Körpergröße der deutschen Männer und Frauen der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996 betrachtet.

Nun erweitere ich den Blickwinkel und betrachte alle 200 Länder, die in der NCD-Studie berücksichtigt wurden.

Für den Gesamtzeitraum von 1896 bis 1996 ergibt sich ein eindeutiges Bild:

  • In allen Ländern der Welt sind die Menschen heute größer als vor hundert Jahren. Das gilt für Männer ebenso wie für Frauen.

Die Größenzunahme war natürlich nicht in allen Ländern gleich groß. Bei den Männern gab es den stärksten Zuwachs im Iran (+16,5 Zentimeter) und den geringsten Zuwachs auf den Marshall Islands (+0,5 Zentimeter). Bei den Frauen bilden Südkorea (+20,1 Zentimeter) und Madagaskar (+1,3 Zentimeter) die Extreme.

Die deutschen Männer liegen im Hundert-Jahre-Vergleich auf Rang 20, die deutschen Frauen auf Rang 75.

In Tabelle 1 ist die Entwicklung über die letzten 100, 50, 30, 25 und 10 Jahre zusammengefasst. Die Spalten „plus“ und „minus“ geben an, in wie vielen Ländern die Menschen größer bzw. kleiner wurden.

Geburtsjahr Männer Frauen
Von X bis 1996 minus plus minus plus
1886 0 200 0 200
1946 45 155 58 142
1966 89 111 107 93
1971 95 105 117 83
1986 121 79 127 73

Tabelle 1: Anzahl der Länder mit Größenwachstum (plus) bzw. Größenabnahme (minus); Geburtsjahr X bis Geburtsjahr 1996.

Tabelle 1 zeigt ein außerordentlich konsistentes Bild: Je weiter man in der Tabelle nach unten geht – also je kürzer der Zeitraum und je näher man an der Gegenwart ist – desto mehr steigt die Anzahl der Länder in der Spalte „minus“ und zwangsläufig wird die Zahl der „plus“-Länder immer kleiner.

Bei den Frauen gibt es bereits seit dem Jahrgang 1962 mehr minus-Länder als plus-Länder. Bei den Männern liegt der Umschlagspunkt beim Jahrgang 1973.

Als Fazit halten wir fest:

  • Es besteht ein eindeutiger Trend, dass in immer mehr Ländern die Menschen kleiner werden. (2)
  • Die Schrumpfungstendenz ist bei den Frauen deutlich ausgeprägter als bei den Männern.

Im nächsten Beitrag werde ich diese – für mich außerordentlich überraschenden und beeindruckenden – Befunde näher betrachten.

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Quellen und Anmerkungen

(1) NCD Risk Factor Collaboration (2016). A century of trends in adult human height. eLife 2016;5:e13410   DOI: 10.7554/eLife.13410

(2) Aus Tabelle 1 folgt übrigens nicht zwangsläufig, dass die Menschheit insgesamt kleiner wird. Dies mag zwar durchaus der Fall sein, aber es folgt nicht aus diesen Daten. In einem späteren Beitrag werde ich zeigen, dass es möglich wäre, dass in jedem einzelnen Land die Durchschnittsgröße sinkt und die Menschheit insgesamt trotzdem größer würde.

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Stichwörter:
Körpergröße, Akzeleration, Wachstum, Biologie

Geschlechtsdimorphismus in der Körpergröße 1896 bis 1996

Geschlechtsdimorphismus. Körpergröße Männer minus Frauen 1896 -1996

Daten zur Körpergröße

Teil 3: Die Entwicklung des Geschlechtsdimorphismus bei deutschen Männern und Frauen der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996

Anhand der Daten der NCD Risk Factor Collaboration (1) habe ich die Entwicklung der Körpergröße der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996 in Deutschland dargestellt; zunächst die → Männer und dann die → Frauen. Nun betrachte ich Männer und Frauen gemeinsam.

Geschlechtsunterschiede in der äußeren Erscheinung werden als Geschlechtsdimorphismus bezeichnet. Im aktuellen Beitrag geht es um die Entwicklung des Geschlechtsdimorphismus bezüglich der Körpergröße. Als Maß des Geschlechtsdimorphismus betrachte ich die Differenz Männer minus Frauen (2). Die Entwicklung dieser Differenz für die Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996 ist in Abbildung 1 dargestellt.

Geschlechtsdimorphismus. Körpergröße Männer minus Frauen 1896 - 1996
Abbildung 1: Geschlechtsdimorphismus in Deutschland bei den Geburtsjahrgängen 1896 bis 1996

Beim Jahrgang 1896 betrug der Geschlechtsunterschied 11,16 Zentimeter, beim Jahrgang 1996 waren es hingegen 14,02 Zentimeter. Der Dimorphismus ist somit insgesamt um 2,86 Zentimeter zugunsten der Männer gewachsen.

In Abbildung 2 ist die jährliche Veränderung des Dimorphismus darstellt, also die Differenz Dimorphismus im Jahr X minus Dimorphismus im Vorjahr.

Jährliche Veränderung des Geschlechtsdimorphismus 1896 - 1996
Abbildung 2: Entwicklung des Geschlechtsdimorphismus 1897 bis 1996

Bis 1927 haben Männer und Frauen nahezu identische Größenzuwächse erzielt, die jährliche Veränderung des Dimorphismus betrug weniger als 0,1 Millimeter, mal zugunsten der Frauen, mal zugunsten der Männer.

Ähnliches gilt für den Zeitraum 1958 bis 1967, wobei die Gesamtbilanz hier ganz leicht zugunsten der Frauen ausfällt (die größte Veränderung in diesem Zeitraum beträgt -0,12 Millimeter).

Abweichungen von mindestens 0,2 Millimetern ergeben sich ausschließlich zugunsten der Männer. Von 1932 bis 1954 und von 1972 bis 1996 haben die Männer den Abstand sogar jährlich um mehr als 0,4 Millimeter vergrößert; von 1942 bis 1951 um mehr als 0,6 Millimeter und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg – von 1946 bis 1948 – sogar um mehr als 0,8 Millimeter. Seit 1972 liegt der jährliche Zugewinn ausnahmslos über 0,4 Millimeter.

Als Fazit ist festzuhalten, dass die Unterschiede enorm zugunsten der Männer zugenommen haben. Da die Differenz auch in den letzten Jahren stetig wuchs, liegt das Maximum beim Jahrgang 1996. Das heißt: Bei den heute 21-Jährigen besteht der größte Geschlechtsunterschied des gesamten Beobachtungszeitraums.

  • Vermutlich ist dies sogar der größte Unterschied zwischen deutschen Männern und Frauen seit vielen Jahrhunderten, womöglich sogar in der gesamten Geschichte der Deutschen!  (3)


Im nächsten Teil werde ich den Blickwinkel erweitern und → die Entwicklung der Körpergröße auf der ganzen Welt betrachten.

An dieser Stelle will ich den Blickwinkel in einer anderen Hinsicht erweitern: Wenn man verschiedene Tierarten vergleicht, dann ist der Geschlechtsdimorphismus ein guter Indikator für das Paarungssystem und die elterlichen Investitionen verschiedener Spezies. Dies gilt auch für den Dimorphismus bezüglich der Körpergröße. Beim Jahrgang 1896 waren die Männer um 7,16 Prozent größer als die Frauen; beim Jahrgang 1996 betrug der Unterschied 8,45 Prozent. Hierzu abschließend ein Zitat von Volker Sommer: „Der Unterschied in der Körpergröße und der äußeren Gestalt der beiden Geschlechter – der Grad des „sexuellen Dimorphismus“ – spiegelt ziemlich genau wider, ob eine Art monogam oder polygyn ist … Gegenwärtig sind Menschenmänner durchschnittlich 5 bis 12 Prozent größer und 20 Prozent schwerer als Frauen. Die Statistik weist uns damit als ein Säugetier mit „milder Polygamie“ aus.“ (4)

Hier gibt es → Daten zur Körpergröße. Teil 4: Die Entwicklung der Körpergröße weltweit 1896 bis 1996.

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Quellen und Anmerkungen

(1) NCD Risk Factor Collaboration (2016). A century of trends in adult human height. eLife 2016;5:e13410   DOI: 10.7554/eLife.13410

(2) Häufig wird der Quotient Größe der Männer dividiert durch Größe der Frauen als Maß des Dimorphismus verwendet. Für den aktuellen Beitrag ist die Differenz wohl anschaulicher.

(3) Die Rede von deutschen Männern und Frauen in vergangenen Jahrhunderten ist recht problematisch, da es Deutschland als Nationalstaat erst seit 1871 gibt. Selbst im Beobachtungszeitraum 1896 bis 1996 hat sich das deutsche Staatsgebiet mehrfach und zum Teil dramatisch verändert. Zudem – das ist wohl noch wichtiger – hat sich die Zusammensetzung des deutschen Volkes stark verändert, insbesondere in der letzten Zeit. Auf diesen Punkt werde ich in späteren Beiträgen zurückkommen.

(4) Sommer, Volker (1989). Die Affen. Unsere wilde Verwandtschaft. Hamburg: GEO, Gruner + Jahr.

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Stichwörter:
Körpergröße, Männer, Frauen, Deutschland, Wachstum, Biologie, Dimorphismus, Geschlechtsdimorphismus, sexueller Dimorphismus

Die Körpergröße deutscher Frauen von 1896 bis 1996

Körpergröße Frauen Deutschland 1896 - 1996

Daten zur Körpergröße

Teil 2: Die Entwicklung der Körpergröße deutscher Frauen der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996

Im Teil 1 habe ich anhand der Daten der NCD Risk Factor Collaboration (1)die Entwicklung der Körpergröße der deutschen Männer der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996 betrachtet.

Nun betrachte ich die entsprechende Entwicklung der Körpergröße deutscher Frauen. Der Verlauf der Durchschnittsgröße der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996 ist in Abbildung 1 dargestellt.

Körpergröße Frauen Deutschland 1896 - 1996
Abbildung 1: Durchschnittsgröße deutscher Frauen der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996

Ebenso wie die Männer sind auch die Frauen heute deutlich größer als vor hundert Jahren. Die Differenz zwischen dem Jahrgang 1896 (155,99 cm) und dem Jahrgang 1996 (165,86 cm) beträgt 9,87 Zentimeter. Bei den Männern betrug die Differenz 12,72 Zentimeter; die Männer sind also deutlich stärker gewachsen als die Frauen.

Während die Körpergröße der Männer über hundert Jahre hinweg von Jahr zu Jahr stieg, zeigt sich bei den Frauen ein anderes, äußerst bemerkenswertes Bild: Achtzig Jahre lang wurden die Frauen von Jahr zu Jahr größer, aber dann nahm die Durchschnittsgröße von Jahr zu Jahr ab (2). Letzteres ist ein verblüffendes Phänomen, von dem ich bislang noch nichts wusste.

Betrachtet man die jährliche Wachstumsrate (= Jahr X minus Vorjahr), dann wird das Bild noch differenzierter. Die Entwicklung der jährlichen Wachstumsrate ist in Abbildung 2 dargestellt.

Körpergröße deutscher Frauen 1896 bis 1996 - Wachstumsrate
Abbildung 2: Jährliche Wachstumsraten deutscher Frauen 1897 bis 1996

Abbildung 2 macht deutlich, was wir bereits aus Abbildung 1 ersehen konnten: Bis zum Jahrgang 1976 liegt die Wachstumsrate über der Nulllinie, das heißt: die deutschen Frauen sind von Jahr zu Jahr gewachsen – aber seitdem sind die deutschen Frauen kontinuierlich geschrumpft.

Die Wende beginnt jedoch nicht erst mit dem Jahrgang 1977. Von 1961 bis 1976 sind die Frauen zwar immer noch gewachsen, aber die Wachstumsrate ist von Jahr zu Jahr gesunken, bis schließlich der Jahrgang 1977 die Nulllinie unterschritt und die Frauen tatsächlich immer kleiner wurden.

Die Schrumpfung ist allerdings recht bescheiden. Vom Maximum des Jahrgangs 1976 (166,27 cm) bis zum Jahrgang 1996 (165,86 cm) sind es gerade mal 0,41 Zentimeter. Gleichwohl ist es äußerst bemerkenswert, dass auf eine achtzig Jahre lange Kette kontinuierlichen Wachstums eine zwanzig Jahre lange kontinuierliche Schrumpfung folgte. Dies kann auf gar keinen Fall durch einen Zufallsprozess erklärt werden.

Neben dem Schrumpfungsprozess ab Jahrgang 1977 und der bereits mit den 60er Jahrgängen einsetzenden Trendwende seien noch die beiden Weltkriegszeiten erwähnt.

Während des Ersten Weltkriegs ist die Wachstumsrate noch stark gestiegen und nach Kriegsende wurde das rasante Wachstum nur leicht gedämpft.

Von 1935 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wuchsen die Frauen weiterhin, aber die Wachstumsrate schwächte sich von Jahr zu Jahr stark ab, nur um danach bis zum Beginn der 60er Jahre ebenso stark wieder anzusteigen.

Ein Vergleich mit der entsprechenden Abbildung 2 aus Teil 1 zeigt, dass sich die beiden Weltkriege recht unterschiedlich auf die Entwicklung der Wachstumsraten von Männern und Frauen ausgewirkt haben.

Über Gründe für die bisher dargestellten Befunde will ich an dieser Stelle nicht spekulieren. Im → Teil 3 werde ich Männer und der Frauen gemeinsam betrachten und im → Teil 4 richte ich dann den Blick auf die Entwicklung der Körpergröße auf der ganzen Welt.


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Quellen und Anmerkungen

(1) NCD Risk Factor Collaboration (2016). A century of trends in adult human height. eLife 2016;5:e13410   DOI: 10.7554/eLife.13410

(2) Die Kontinuität – achtzig Jahre ohne Ausnahme steigend, zwanzig Jahre ohne Ausnahme fallend – ist wohl zum Teil auf die Glättung zurückzuführen. Das ändert aber nichts an dem grundlegenden Phänomen.

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Stichwörter:
Körpergröße, Akzeleration, Frauen, Deutschland, Wachstum, Biologie, Durchschnittsgröße, Größe

Die Körpergröße deutscher Männer von 1896 bis 1996

Daten zur Körpergröße

Teil 1: Die Entwicklung der Körpergröße deutscher Männer der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996

Kürzlich bin ich auf eine hochinteressante Untersuchung zur Körpergröße gestoßen (1).

Die Forschergruppe NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC) analysierte 1.472 Untersuchungen zur Körpergröße von 18,6 Millionen Männern und Frauen in 200 Ländern, die im Zeitraum von 1896 bis 1996 geboren wurden. Diese Studie ist eine wahre Fundgrube, zumal die Befunde in mustergültiger Weise graphisch aufbereitet wurden und auf der → Webseite von ncdrisc.org interaktiv erforscht werden können.

In diesem Beitrag beschränke ich mich auf die Entwicklung der Körpergröße in Deutschland. Im Teil 1 betrachte ich die Männer, im Teil 2 die Frauen und im Teil 3 den Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Durchschnittsgröße deutscher Männer der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996.

Abbildung 1: Durchschnittsgröße deutscher Männer der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996
Abbildung 1: Durchschnittsgröße deutscher Männer der Geburtsjahrgänge 1896 bis 1996

Abbildung 1 demonstriert eindrucksvoll, dass die Köpergröße der deutschen Männer über die Zeit beständig zunahm. Dieses Phänomen ist zwar allgemein bekannt (Stichwort Akzeleration), gleichwohl zeigt die Abbildung auch ein verblüffendes Ergebnis: Über hundert Jahre hinweg war ausnahmslos bei jedem einzelnen Geburtsjahrgang eine Zunahme gegenüber dem vorherigen zu registrieren (2). Das ist nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, weil dieser Zeitraum durch sehr unterschiedliche politische, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse – zum Beispiel zwei Weltkriege, die große Weltwirtschaftkrise zwischen den Kriegen, Wirtschaftswunder, Wiedervereinigung – geprägt ist (dazu gleich mehr).

Abbildung 1 macht aber auch deutlich, dass die Zunahme der Körpergröße nicht „endlos weitergeht“. Nach einem jahrzehntelangen steilen Anstieg flacht die Kurve ab und zuletzt ist der Anstieg nur noch sehr gering.

Insgesamt ergibt sich über die hundert Jahre für die Männer ein Zuwachs von 12,72 Zentimetern (1896: 167,16 cm; 1996: 179,88 cm).

Um die Entwicklung besser verstehen zu können, habe ich die jährlichen Wachstumsraten – also die Differenz Jahrgang X minus Jahrgang X-1 – berechnet und in Abbildung 2 dargestellt.

Körpergröße Männer Deutschland Wachstumsrate 1886 - 1996
Abbildung 2: Jährliche Wachstumsraten deutscher Männer 1897 bis 1996

Die Darstellung der Wachstumsraten in Abbildung 2 lässt einige Dinge erkennen, die in Abbildung 1 nicht ohne Weiteres ersichtlich sind.

So sind zum Beispiel die beiden Weltkriege durch sehr deutliche Buckel markiert. In Kriegszeiten nimmt das Wachstum zwar weiterhin zu, aber die Wachstumsrate verringert sich; danach steigt sie wieder.

Eine Beschleunigung gab es auch nach dem Zweiten Weltkrieg, aber schon Mitte der 50er Jahre, also zur Zeit des Wirtschaftswunders, schwächte sich das Wachstum ab; die Zuwächse betrugen jedoch noch bis 1967 mehr als 1 Millimeter pro Jahr. Seit den achtziger Jahren sanken sie unter ein Drittel Millimeter. Zuletzt waren es noch 0,24 Millimeter. Es ist eine spannende Frage, wann die Null-Linie bei den Männern erreicht wird.

Im Teil 2 betrachte ich die Entwicklung der Körpergröße von Frauen. Dabei – so viel sei verraten – gibt es eine echte Überraschung (zumindest für mich).

Hier gibt es → Die Körpergröße deutscher Frauen von 1896 bis 1996.

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Quellen und Anmerkungen

(1) NCD Risk Factor Collaboration (2016). A century of trends in adult human height. eLife 2016;5:e13410   DOI: 10.7554/eLife.13410

(2) Zum Teil kann die perfekte Kontinuität auch der Glättung geschuldet sein. Das ändert jedoch nichts an dem beeindruckenden Grundmuster.

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Stichwörter:
Körpergröße, Akzeleration, Männer, Deutschland, Wachstum, Biologie

Evolutionstheorie, Islam und Grüne

Evolutionstheorie, Islam und Grüne

Unter der Schlagzeile Regierung streicht Evolutionsunterricht erfahren wir heute – 23. Juni 2017 – auf SPIEGEL ONLINE, dass die Evolutionslehre an türkischen Schulen künftig nicht mehr behandelt werden soll (1).
… ein hochrangiger Vertreter des Bildungsministeriums … sagte, Evolution sei umstritten, kontrovers und zu kompliziert. „Wir glauben, dass dieses Unterrichtsfach das Verständnis der Schüler übersteigt“.

Nun ja, eines muss man dem guten Mann zugutehalten: Er ist sich offenbar darüber im Klaren, dass es mit der Intelligenz der Türken nicht sonderlich gut bestellt ist.

Aber dass es so schlecht um die geistigen Fähigkeiten des türkischen Volkes bestellt ist, hätte ich nicht gedacht. Immerhin liegt der IQ der Türken etwa bei 90 (2). Bei einem nationalen IQ von 90 müssten doch wenigstens ein paar Prozent der Schüler in der Lage sein, die Evolutionstheorie zu kapieren. Aber auf Wissen legt man in der Türkei keinen besonderen Wert. Viel wichtiger ist, dass die Schüler gute und folgsame Moslems sind und den Koran in- und auswendig kennen.

Da wir in Deutschland mit einem hohen Anteil türkischer Schüler gesegnet sind – und in den kommenden Jahren Millionen Spösslinge von Wohlstandsmigranten aus Arabien und Afrika geschenkt bekommen, deren Intelligenzniveau noch weit unter dem türkischen liegt –, denkt nun vielleicht der ein oder andere darüber nach, ob wir den intelligenzschwachen Migrantenkindern zuliebe auch an deutschen Schulen die Evolutionstheorie abschaffen sollten.

Aber Halt! Da war doch was?
Ach ja: Die Abschaffung des Biologieunterrichts ist bekanntlich schon lange ein Herzensanliegen der Grünen. Und bereits kurz nach der Machtübernahme in Baden-Württemberg haben sie ganze Arbeit geleistet (Baden-Württemberg will Biologie-Unterricht abschaffen. Stuttgart in der Hand der Gender-Ideologen).

Den Grünen geht es allerdings nicht um den Koran. Den Grünen geht es um eine andere Religion. Die Religion der Grünen ist eine Welt, in der die Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind; eine Welt, in der jeder Menschen sein Geschlecht frei wählen kann; eine Welt, in der der Allerdümmste genauso intelligent ist wie der Allerintelligenteste; eine Welt, in der alles bunt ist und in der es dennoch keinerlei Unterschiede zwischen den Menschen gibt.

Die ersten Früchte ihrer antifaktischen Bildungspolitik konnten die Grünen ja bereits ernten: Innerhalb kürzester Zeit wurde Baden-Württemberg von einem Spitzenplatz auf die untersten Ränge durchgereicht ( Baden-Württemberg sackt in Bildungsstudie deutlich ab).

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Anmerkungen und Quellen

(1) Regierung streicht Evolutionsunterricht. SPIEGEL ONLINE, 23. Juni 2017

(2) Lynn, Richard & Vanhanen, Tatu (2012). Intelligence. A Unifying Construct fort he Social Sciences. London: Ulster Institute for Social Research.

(3) Ferdinand Knauß: Baden-Württemberg will Biologie-Unterricht abschaffen. Stuttgart in der Hand der Gender-Ideologen. Wirtschaftswoche, 18. Februar 2014.

(4) Baden-Württemberg sackt in Bildungsstudie deutlich ab. Süddeutsche Zeitung, 28. Oktober 2016.


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Stichwörter:
Religion, Politik, Islam, Grüne, Bildung, Bildungspolitik, Grüne, Evolutionstheorie

Von Menschen, Führern und Elritzen

Von Menschen, Führern und Elritzen

Der Hirnforscher Gerald Wolf veröffentlichte am 03. Juni 2017 auf dem Onlineportal achgut.com einen äußerst lesenswerten Artikel mit dem Titel „Schwarmintelligenz und Schwarmdummheit“ (1). Darin zitiert er den Verhaltensbiologen und Nobelpreisträger Konrad Lorenz (1903 – 1989), der seinerseits ein Experiment zum Schwarmverhalten von Fischen schildert, welches der Zoologe Erich von Holst (1908 – 1962) in den 1940er Jahren an Elritzen durchgeführt hat.

„Er [von Holst] operierte einem einzelnen Fischchen dieser Art das Vorderhirn weg, und in diesem stecken … alle Reaktionen des Schwarmzusammenhaltes. Die vorderhirnlose Elritze sieht, frißt und schwimmt wie eine normale, das einzige Verhaltensmerkmal, durch das sie sich von einer solchen unterscheidet, besteht darin, daß es ihr egal ist, wenn sie aus dem Schwarm herausgerät und ihr keiner der Genossen nachschwimmt. Ihr fehlt daher die zögernde Rücksichtnahme des normalen Fisches, der, auch wenn er noch so intensiv in bestimmter Richtung schwimmen möchte, sich doch schon bei den ersten Bewegungen nach den Schwarmgenossen umsieht und sich davon beeinflussen lässt, ob ihm welche folgen und wieviele. All dies war dem vorderhirnlosen Kameraden völlig egal; wenn er Futter sah, oder aus sonstwelchen Gründen irgendwohin wollte, schwamm er entschlossen los und siehe da – der   g a n z e    S c h w a r m   f o l g t e   i h m. Das operierte Tier war eben durch seinen Defekt eindeutig zum Führer geworden.“ (2)

Wer denkt da nicht sofort an Angela Merkel und die Millionen Refjudschies-Wellkamm-Kreischer? (3)
Bei der Führerin des deutschen Volkes – welches nach ihrem Verständnis alle umfasst, die es wie auch immer geschafft haben, ihren Fuß auf deutschen Boden zu setzen – scheint mir diese Assoziation allerdings nicht ganz treffend. Sie agiert eher wie ein Hecht, der eiskalt und stumm im Ozean der öffentlichen Meinung lauert und unentwegt Ausschau nach dem aktuell gerade größten Schwarm hält, um sich dann als Führerin an dessen Spitze zu stellen.

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Quellen und Anmerkungen
(1) Gerald Wolf: Schwarmintelligenz und Schwarmdummheit
http://www.achgut.com/artikel/schwarmintelligenz_und_schwarmdummheit1
03.06.2017
(2) Konrad Lorenz: Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression. Dr. G. Borotha-Schoeler Verlag, Wien, 1963 (zitiert nach der 21. – 22. Auflage 1968, Seite 218-219; Sperrdruck im Original).
(3) Gerald Wolf hat Angela Merkel nicht namentlich erwähnt. Er merkt lediglich ganz dezent an: „Wie, fragt man sich und das womöglich mit einer Spur von Häme, wie nun sieht es denn mit den Anführern unserer eigenen Spezies aus?“

 
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Stichwörter:
Politik, Biologie, Konrad Lorenz, Erich von Holst, Elritzen, Angela Merkel, Führer, Schwarmverhalten, Schwarmintelligenz, Schwarmdummheit, Massenverhalten, Politiker, Verhaltensbiologie