Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 7


Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten

Teil 7: Solche und solche Migranten

Zentrales Thema des IQB-Ländervergleichs 2012 (1) sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern im Hinblick auf das schulische Leistungsniveau am Ende der Sekundarstufe I. Die drei vorangegangenen Folgen (→ Teil 4Teil 5Teil 6) haben klar gemacht, dass Vergleiche zwischen den Bundesländern nur dann Sinn machen, wenn die Leistungen der Migranten explizit berücksichtigt werden. Wo dies nicht geschieht – dies ist leider in aller Regel der Fall –, sind Diskussionen sinnlos.

Migranten sind alles andere als eine homogene Gruppe. Daher ist es erforderlich, zwischen verschiedenen Migrantengruppen zu differenzieren.

Die Bildungsstudien des IQB differenzieren nach Zuwanderungsstatus und nach Herkunftsgruppen.

Im Hinblick auf den Zuwanderungsstatus wird wie folgt unterschieden:

  • Schüler ohne Zuwanderungshintergrund: Beide Eltern sind in Deutschland geboren.
  • Schüler mit einem im Ausland geborenen Elternteil: Ein Elternteil ist im Ausland, das andere in Deutschland geboren.
  • Schüler der 2. Zuwanderungsgeneration: Beide Eltern sind im Ausland, der Schüler in Deutschland geboren.
  • Schüler der 1. Zuwanderungsgeneration: Beide Eltern und der Schüler sind im Ausland geboren.

Dass bei dieser Gruppierung einige kuriose Fälle resultieren, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Erwähnt werden muss aber: Deutschlandweit wurden knapp 20 Prozent der Schüler aufgrund fehlender oder unvollständiger Angaben als „Nicht zuzuordnen“ klassifiziert; und in einigen Bundesländern bildeten die Nichtzuzuordnenden sogar die größte Gruppe, so dass die Ergebnisse nur mit Vorbehalt zu interpretieren sind: Bremen 53,1%, Saarland 49,9%, Berlin 46,6%. Hier wird die Bildungsforschung unter dem Deckmantel Datenschutz ad absurdum geführt.

Da im Jahr 2012 (also vor der Masseninvasion seit 2015) nur wenige Schüler der 1. Generation angehörten, wurden die 1. und die 2. Generation zusammengefasst zur Gruppe „Beide Eltern im Ausland geboren“.

Deutschlandweit waren (auf Basis der verwertbaren Angaben) 73,1 Prozent der Schüler ohne Zuwanderungshintergrund, 10,7 Prozent hatten ein im Ausland geborenes Elternteil, bei 16,2 Prozent waren beide Eltern im Ausland geboren.

Die Punktwerte im Fach Mathematik lauteten:

  • Ohne Zuwanderungshintergrund: 521
  • Ein Elternteil im Ausland geboren: 488
  • Beide Eltern im Ausland geboren: 465

Beide Migrantengruppen schnitten signifikant schlechter ab als die deutschen Schüler.

Bei den Schülern mit einem im Ausland geborenen Elternteil beträgt die Differenz 33 Punkte. Das ist mehr als der Lernzuwachs in einem Schuljahr. Die Mittelwertsdifferenz beträgt 0,33 Standardabweichungseinheiten (das entspricht dem Effektstärkemaß Cohen’s d).

Schüler, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden, weisen ein Defizit von 56 Punkten auf. Das entspricht einem Rückstand von zwei Schuljahren. Die Effektstärke d beträgt 0,59.

Wie bereits gesehen, schnitten in jedem einzelnen Bundesland die Migranten schlechter ab als die Deutschen. Darüber hinaus schnitten in den Bundesländern Schüler mit zwei im Ausland geborenen Eltern schlechter ab als Schüler mit einem im Ausland geborenen Elternteil (in einigen Fällen war diese Differenz nicht sehr groß; in den ostdeutschen Flächenländern und in Schleswig-Holstein wurde aufgrund der „niedrigen“ Migrantenzahl nicht zwischen diesen beiden Gruppen differenziert).

Auch wenn die Kategorie „Ein Elternteil im Ausland geboren“ teilweise kurios anmutet (2), macht die Differenzierung „ein vs. beide Elternteile im Ausland geboren“ einen erheblichen Unterschied.

Wesentlich aufschlussreicher ist jedoch die Differenzierung nach der Herkunftsregion, die wir in der Fortsetzung betrachten → Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten. Teil 8: Gute, weniger gute und schlechte Migranten.

*

Quellen und Anmerkungen

(1) Hans Anand Pant, Petra Stanat, Ulrich Schroeders, Alexander Roppelt, Thilo Siegle, Claudia Pöhlmann (Hrsg.): IQB-Ländervergleich 2012 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I. Münster: Waxmann Verlag GmbH, 2013.
Im Internet erhältlich unter https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/lv2012/Bericht

(2) Zu „Ein Elternteil im Ausland geboren“ gehören zum Beispiel das Kind einer deutschen Frau, die einen Engländer geheiratet hat, sowie das Kind eines ein Deutschland geborenen Nigerianers und einer in Nigeria geborenen Frau.

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Stichwörter:
Bildung, Mathematik, IQB, Bildungsstudie, Bundesland, Schulleistungen, 2012, Migranten, Migrationshintergrund

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2 Kommentare zu „Von Mathematik, älteren Lehrerinnen und Migranten – Teil 7

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