Geschlechtsunterschiede in der Intelligenz – Teil 1

Geschlechtsunterschiede in der Intelligenz

Teil 1: Grundlegendes

Kaum ein anderes Thema ist emotional und politisch so hysterisch aufgeladen wie Geschlechtsunterschiede in der Intelligenz. In diesem Beitrag wird klargestellt, dass sich Männer und Frauen selbstverständlich auch im Hinblick auf die Intelligenz voneinander unterscheiden.

Beginnen wir mal mit einer Nachricht, die bei allen politisch Korrekten höchstes Entzücken auslöst:

Bei PISA 2015 zeigten in 72 von 72 Ländern Mädchen in der Lesekompetenz höhere Leistungen als Jungen.
Bei PIRLS 2016 zeigten in 52 von 52 Ländern Mädchen in der Lesekompetzenz höhere Leistungen als Jungen.
Unzählige Untersuchungen bestätigen, dass Mädchen eine höhere sprachliche Intelligenz aufweisen als Jungen.

Ich habe noch nie gehört, dass irgendjemand gegen diese empirische Tatsache protestiert hätte.

Erwähnt man hingegen, dass Männer im mathematischen Bereich wesentlich bessere Leistungen zeigen als Frauen, dann entfacht man unweigerlich einen „Sexismus! Sexismus!“-Kreischorkan der politisch Korrekten.

In dieser Serie betrachten wir Geschlechtsunterschiede in der Intelligenz.

Der Mainstream innerhalb der psychologischen Forschung geht ebenso wie der Mainstream in der Öffentlichkeit davon aus, dass es keine Geschlechtsunterschiede gibt [A1].

Angesichts der Tatsache, dass sich Männer und Frauen in nahezu allen Bereichen voneinander unterscheiden, ist es jedoch extrem unwahrscheinlich, dass es ausgerechnet bei der Intelligenz keine Unterschiede geben sollte. Wie wir gleich sehen werden, ist die Behauptung, dass es keinerlei Unterschiede in der Intelligenz von Männern und Frauen gibt, auf jeden Fall falsch.

Nach der Veröffentlichung des Buches „The Bell Curve. Intelligence and Class Structure in American Life“ von Herrnstein und Murray im Jahr 1994 [1] entbrannte eine hysterische, weitgehend politisch motivierte Diskussion, die so grotesk entartete, dass die American Psychological Association eine Fachgruppe von führenden Intelligenzforschern und Kritikern beauftragte, einen Bericht über die tatsächlichen Befunde der psychologischen Intelligenzforschung vorzulegen [2]. Eine äußerst wichtige Aussage dieses Berichts lautet:

  • Most standard tests of intelligence have been constructed so that there are no overall score differences between females and males.

Dieser Satz markiert ein zentrales Grundproblem: Bei der Konstruktion von Intelligenztests wird in der Regel große Mühe darauf verwandt, die Aufgaben so zu zusammenzustellen, dass sich keine Geschlechtsunterschiede ergeben. Aufgaben, bei denen sich im Rahmen von Voruntersuchungen nennenswerte Geschlechtsunterschiede zeigen, werden ausgeschieden; und die endgültigen Testaufgaben werden so zusammengestellt, dass der Gesamtwert für beide Geschlechter gleich ist. Oftmals gibt es getrennte Testnormen für Männer und Frauen und damit wird die „Gleichheit“ der Geschlechter per Definition erzwungen.

  • Statt real existierende Geschlechtsunterschiede zu erfassen, wird häufig viel Aufwand betrieben, um Geschlechtergleichheit zu konstruieren.

Trotz aller Bemühungen, „Geschlechtergleichheit“ per Testkonstruktion herzustellen, lassen sich Geschlechtsunterschiede nicht vertuschen.

Intelligenz ist ein extrem breites Konzept, welches kognitive Leistungen in allen Bereichen umfasst. In manchen Bereichen zeigen sich tatsächlich keine oder nur minimale Unterschiede zwischen den Geschlechtern, in manchen Bereichen zeigen Frauen bessere Leistungen, in manchen Bereichen haben Männer die Nase vorn.

Die Aussage „Es gibt keine Unterschiede in der Intelligenz von Männern und Frauen“ ist durch unzählige empirische Untersuchungen mit Hunderten Millionen Testpersonen widerlegt. Es steht außer Zweifel, dass Unterschiede in den relativen Stärken und Schwächen bestehen.

Allenfalls die Aussage „Die relativen Vorteile von Männern und Frauen gleichen sich so weit aus, dass in der Summe keine (nennenswerten) Geschlechtsunterschiede bestehen“ kann eine gewisse Gültigkeit beanspruchen. Aber selbst diese Behauptung ist keineswegs unumstritten.

In der nächsten Folge betrachten wir einige interessante Hypothesen, die in der aktuellen Diskussion im Blickpunkt stehen; und im Anschluss daran werden wir diese Hypothesen anhand einer sehr großen internationalen Stichprobe prüfen.

Hier gibt es die Fortsetzung → Geschlechtsunterschiede in der Intelligenz. Teil 2: Hypothesen

*

Literatur


[1] Herrnstein, R.J. und Murray, C. (1994). The Bell Curve. Intelligence and Class Structure in American Life. New York: The Free Press.

[2] Neisser, U. et al. (1996). Intelligence: Knowns and Unknowns. American Psychologist, 51 (2), 77–101.

*

Anmerkung

[A1] Mit „Mainstream innerhalb der psychologischen Forschung“ und „Mainstream in der Öffentlichkeit“ ist der Mainstream der letzten Jahrzehnte und die westliche Gesellschaft gemeint. In früheren Zeiten und in anderen Teilen der Welt galt und gilt es mehr oder weniger als selbstverständlich, dass Männer intelligenter sind als Frauen. Diese Annahme gründet sich allerdings lediglich auf Alltagsbeobachtungen und nicht auf wissenschaftliche empirische Forschung.

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Stichwörter
Intelligenz, Geschlecht, Geschlechtsunterschiede, Intelligenzunterschiede, Intelligenzforschung, Psychologie

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11 Kommentare zu „Geschlechtsunterschiede in der Intelligenz – Teil 1

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