Bildungsproblem Türken – Teil 6

PISA 2015: Naturwissenschaften - Kompetenzstufen

Bildungsproblem Türken

6. PISA 2015: Naturwissenschaften in Deutschland und in der Türkei

Zum Anfang der Serie → Bildungsproblem Türken

Alle nationalen und internationalen Bildungsstudien belegen übereinstimmend, dass Türken ein sehr viel niedrigeres Bildungsniveau aufweisen als Deutsche. PISA 2015 zeigt: In der Türkei ist der Anteil der Schüler mit schlechten oder katastrophalen Leistungen in den Naturwissenschaften fast doppelt so groß wie in Deutschland. Im mittleren und oberen Leistungsbereich finden sich hingegen viel mehr deutsche Schüler als türkische. Im Spitzenbereich erreicht das Missverhältnis ein geradezu groteskes Ausmaß zugunsten Deutschlands.

In → Teil 4 und → Teil 5 haben wir gesehen, dass in der jüngsten PISA-Studie [1] im Bereich Lesekompetenz eine enorme Kluft zwischen Deutschland und der Türkei besteht und die Türkei katastrophal abschneidet.

Nun betrachten wir die Leistungen in den Naturwissenschaften.

Tabelle 6.1 zeigt die Untergrenzen der Kompetenzstufen.

Tabelle 6.1: Kompetenzstufen in den Naturwissenschaften und untere Punktgrenzen.
  Lesekompetenz – Kompetenzstufen
<1b 1b 1a 2 3 4 5 6
Untergrenze 261 335 410 484 559 633 708

Auch im Bereich Naturwissenschaften markiert Stufe 2 das Minimum, das in einer modernen Gesellschaft erforderlich ist. Erst ab Stufe 2 beginnen Schüler, naturwissenschaftliche Kompetenzen unter Beweis zu stellen. Schüler auf den Stufen 1a, 1b oder gar <1b sind den Anforderungen einer modernen Gesellschaft in keiner Weise gewachsen.

Abbildung 6.1 zeigt die Häufigkeitsverteilung auf die Kompetenzstufen.

PISA-2015: Lesekompetenz - Kompetenzstufen - Deutschland vs. Türkei


Das miserable Leistungsniveau der türkischen Schüler ist in den Naturwissenschaften sogar noch dramatischer als in der Lesekompetenz.

Der Modalwert (also die Stufe, die am häufigsten vorkommt) ist die Stufe 1a, die unterhalb der Minimalanforderungen liegt. Hier finden sich 31,6 Prozent der Schüler.

11,8 Prozent befinden sich auf Stufe 1b und 1,1 Prozent liegen sogar noch darunter auf Stufe <1b.

  • Insgesamt genügen 44,5 Prozent der türkischen Schüler noch nicht einmal den Minimalanforderungen!

Hinzu kommen 31,3 Prozent, die gerade mal das Grundniveau der Stufe 2 erreichen, also die Stufe, ab der Schüler beginnen, naturwissenschaftliche Kompetenzen zu zeigen. Wichtig ist hier das Wort „beginnen“. Und in diesem Zusammenhang muss man sich in Erinnerung rufen, dass es sich hier nicht um Schulanfänger handelt, sondern um 15-Jährige, also um Schüler, die (in der Türkei) zum allergrößten Teil am Ende ihrer Schulzeit stehen!

Die Stufe 3 – das entspricht absolut mittelmäßigen Leistungen – erreichen 19,1 Prozent.

Mit 4,8 Prozent schafft es knapp jeder zwanzigste türkische Schüler auf die Stufe 4.

Eine sehr gute Leistung auf Stufe 5 zeigen lediglich 0,3 Prozent, also von tausend Schülern gerade mal drei.

Herausragende Leistungen auf Stufe 6 gibt es in der Türkei überhaupt nicht (0,005 Prozent!).

Eine völlig andere Welt zeigt sich in Deutschland.

Die Werte sind annähernd normalverteilt mit dem Gipfel auf Stufe 3, also bei den mittelmäßigen Leistungen. Hier finden sich 27,7 Prozent der Schüler.

22,7 Prozent genügen lediglich den Minimalanforderungen der Stufe 2.

Darunter, auf den Stufen 1a, 1b und <1b befinden sich 12,8, 3,8 und 0,4 Prozent. Somit genügt gut jeder sechste Schüler (17 Prozent) in Deutschland in keiner Weise den Minimalanforderungen. Diese Gruppe stellt eine sehr hohe gesellschaftliche Belastung dar; im Vergleich zur Türkei (44,5 Prozent!) steht Deutschland jedoch glänzend da; und auch im Vergleich zu den 35 OECD-Staaten (21 Prozent) schneidet Deutschland gut ab.

22 Prozent der Schüler in Deutschland erreichen Stufe 4 (Türkei 4,8 Prozent).

8,8 Prozent zeigen sehr gute Leistungen auf Stufe 5 (Türkei 0,3 Prozent).

1,8 Prozent zeigen herausragende Leistungen auf Stufe 6 (Türkei 0,005 Prozent).

In Tabelle 6.2 wird der enorme Unterschied zwischen Deutschland und der Türkei anhand weiterer Kennzahlen verdeutlicht.

Die ersten beiden Zeilen enthalten die Prozentzahlen, die bereits in Abbildung 6.1 zu sehen sind.

In der Zeile Quotient ist innerhalb jeder Stufe die jeweils größere durch die kleinere Zahl dividiert. Die Stufen, auf denen der Anteil in der Türkei höher liegt, sind rot unterlegt; die Stufen, auf denen der Anteil in Deutschland höher liegt, sind grün unterlegt.

Die Zeile % Deutsche beantwortet die Frage: Wenn man von gleichgroßen Stichproben ausgeht, wie groß ist dann der prozentuale Anteil der Deutschen [A1] auf der jeweiligen Stufe?

Tabelle 6.2: PISA 2015. Naturwissenschaften – Kompetenzstufen.
  Naturwissenschaften – Kompetenzstufen
<1b 1b 1a 2 3 4 5 6
Deutschland 0,4 3,8 12,8 22,7 27,7 22,0 8,8 1,8
Türkei 1,1 11,8 31,6 31,3 19,1 4,8 0,3 0,0
Quotient 2,9 3,1 2,5 1,4 1,4 4,5 30,5 371
% Deutsche 25,9 24,6 28,8 42,1 59,1 82,0 96,8 99,7


Im Folgenden gehen wir jeweils davon aus, dass die Stichproben in Deutschland und der Türkei gleichgroß sind.

Zeile 3 – Quotient – macht bereits durch die Färbung das zentrale Ergebnis deutlich:

  • Im unteren Leistungsbereich finden sich viel mehr türkische Schüler als deutsche, im oberen Bereich dominiert Deutschland.

Auf den Stufen 1a, 1b und <1b, ist der Prozentsatz der Schüler, die noch nicht einmal die Minimalanforderungen erfüllen, in der Türkei zweieinhalb- bis dreimal so hoch wie in Deutschland.

Auf den Stufe 2 und 3 ist das Verhältnis zumindest ansatzweise ausgeglichen. Aber auf beiden Stufen hat die Türkei das Nachsehen.

Auf Stufe 4 ist der Prozentsatz in Deutschland viereinhalbmal höher als in der Türkei.

Auf Stufe 5 entfallen auf jeden sehr guten Schüler in der Türkei 30 sehr gute Schüler in Deutschland!

Auf der obersten Stufe 6 finden sich praktisch überhaupt keine türkischen Schüler. Auf jeden Spitzenschüler in der Türkei kommen 371 Spitzenschüler in Deutschland!

Dieses dramatische Missverhältnis kommt in der Zeile % Deutsche ebenso eindrucksvoll zur Geltung.

Die untersten Stufen 1a, 1b und <1b sind zu mehr als 70 Prozent von türkischen und weniger als 30 Prozent von deutschen Schülern besetzt.

Auf Stufe 2, also bei den Minimalanforderungen, beträgt der Anteil der deutschen Schüler 42,1 Prozent.

Auf allen Stufen, die über die Minimalanforderungen hinausgehen, haben die deutschen Schüler die Oberhand und mit jeder Leistungsstufe nimmt die deutsche Dominanz dramatisch zu.

Auf Stufe 3 liegt Deutschland mit 59,1 Prozent vorn.

Auf Stufe 4 führt Deutschland mit 82 Prozent.

Die nahezu unglaubliche Überlegenheit Deutschlands im Spitzenbereich macht man sich am besten so klar:

Angenommen, man hätte mit gleichgroßen Stichproben in der Türkei und in Deutschland so viele Schüler getestet, dass insgesamt tausend die Stufe 6 erreicht hätten. Dann wären davon 997 in Deutschland zu erwarten und nur 3 in der Türkei!

Auf Stufe 5 stünden 968 Schülern in Deutschland lediglich 32 Schüler in der Türkei gegenüber.

  • Das Potenzial für Spitzenleistungen im Bereich Naturwissenschaften liegt in der Türkei praktisch bei null. Im Spitzenbereich sind Deutschland und die Türkei zwei völlig unterschiedliche Universen.

Auf die praktische Bedeutsamkeit dieser enormen Bildungskluft kommen wir später zurück.

Im nächsten Beitrag betrachten wir Kompetenzunterschiede im Bereich Mathematik.

Hier gibt es → Teil 7: PISA 2015: Mathematik in Deutschland und in der Türkei

*

Literatur

[1] OECD (2016) PISA 2015 Ergebnisse. Exzellenz und Chancengleichheit in der Bildung. Band I. W. Bertelsmann Verlag, Germany. DOI 10.3278/6004573w

*

Anmerkungen

[A1] Genau genommen müsste man strikt zwischen deutschen Schülern und Schülern in Deutschland unterscheiden. Ein erheblicher Teil der Schüler in Deutschland sind keine Deutschen, sondern Migranten. Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil die Migranten – genauer: einige Migrantengruppen – sehr viel schlechtere Leistungen zeigen als die einheimischen deutschen Schüler. Bezeichnenderweise sind gerade die türkischen Migranten eine der Gruppen, die besonders schlecht abschneiden. Wie wir später noch ausführlich zeigen werden, sind die einheimischen Deutschen besser, als die aktuellen Betrachtungen vermuten lassen; und dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass die vielen sehr schlechten türkischen Migranten den deutschen Durchschnitt nach unten drücken.

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Stichwörter:
Bildung, Bildungsforschung, Deutschland, Türkei, Türken, PISA, Kompetenzstufen, Naturwissenschaften,

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2 Kommentare zu „Bildungsproblem Türken – Teil 6

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